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05.11.2007: So faszinierend kann Frieden sein (Horber Chronik)

Von Volker Schmid

HORB. Mit der Fotoausstellung „Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher“ wurden am Samstag im Kloster-Forum die neunten Horber Friedenstage unter dem Motto „Frieden geht anders!“ eröffnet. So lange noch Rekordsummen für Rüstung ausgegeben werden, die BRD noch immer Rüstungsgüter exportiert und selbst aus der Horber Hohenberg-Kaserne Soldaten nach Afghanistan geschickt werden, bleibt die Bedeutung der Friedenstage laut Helmut Loschko vom Projekt Zukunft weiterhin eine große.

Deshalb bieten die neunten Horber Friedenstage nun drei Wochen lang ein vielseitiges und vor allem kritisches Programm, um so von der Faszination und der Machbarkeit des Friedens zu berichten. Nachdem Loschko die Gäste als „Liebe Kämpfer für den weltweiten Frieden“ begrüßt hatte, lobte FD/FW-Stadtrat Daniel Wochner in Vertretung des Oberbürgermeisters Michael Theurer die Horber Friedenstage als Traditionsveranstaltung. „Mich freut es, dass es die Horber Friedenstage gibt“, erklärte Wochner, gab aber auch zu, dass er als Liberaler kein absoluter Pazifist im Sinne völliger Gewaltfreiheit sein könne. Es sei jedoch wichtig, so Wochner, durch die Friedenstage auf Missstände in der Welt hinzuweisen: „Wir müssen den Umgang in der Welt neu definieren.“ Günther Gugel ist Geschäftsführer des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen, das laut Helmut Loschko eine „bemerkenswerte Arbeit im Bereich der Friedenspädagogik“ leistet. Und doch werden dafür, so Loschko, im Vergleich zur Rüstung deutlich weniger öffentliche Gelder ausgegeben.

Günther Gugel gab eine Einführung in die Ausstellung „Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher“. Im ganzen deutschsprachigen Raum gebe es kein ähnlich aufgearbeitetes Lernprojekt. Denn zur Ausstellung gibt es vielfältiges didaktisches Material, Podcasts, eine CD, ein Buch und sogar einen Film. Friedensjournalismus heißt die Devise. Statt voyeuristische Bilder zu zeigen und die Schwächen der Menschen auszunutzen, werden diese begleitet. So stehen auch keine abstrakten Philosophien im Mittelpunkt, sondern reale Biographien aus vielen Ländern. Positive Beispiele aus Mali, Brasilien, Sri Lanka, Nordirland, Südafrika, Japan, Israel, Mazedonien und von den Philippinen sollen zeigen, wie faszinierend Frieden sein kann.

Wie kommen zum Beispiel zwei nordirische Terroristen dazu, völlig die Seiten zu wechseln und mit Jugendlichen zu arbeiten? Joe Doherty war einst Kämpfer der Irish Republican Army (IRA), Peter McGuire dessen Pendant als Terrorist bei der Ulster Volunteer Force (UVF). Der eine Katholik, der andere Protestant. Hätten sie sich damals getroffen, wäre einer inzwischen tot.

Dohertys Leben veränderte sich mit dem Tod eines britischen Soldaten an dem er beteiligt war. Im Gefängnis beschloss er, sein Leben den Jugendlichen in den armen katholischen Wohngebieten von Belfast zu widmen. Ihnen predigt er allerdings keine Gewaltlosigkeit: Sie sollen die Protestanten nicht provozieren, sich aber verteidigen, falls sie angegriffen werden. McGuires Wandel kam, als drei Kinder in einem Haus starben, das eine Leute mit Brandbomben beworfen hatten. Heute propagiert er politische Lösungen des Konflikts und organisiert als Sozialarbeiter so genannte „kritische Dialoge“. Damit will er vor allem Jugendliche im Umfeld der Paramilitärs zum Ausstieg aus der Szene bewegen.

Umrahmt wurde die Eröffnung der Friedenstage von dem Freiburger Musiker Thilo Martinho, der anschließend mit dem Bremer Flamenco-Gitarristen Tim Schicoré ein gefeiertes Konzert zwischen Flamenco, Latin und Pop spielte. Er servierte nicht nur einen Bossa Nova, sondern auch seinen eigenen Song „I Am“, der gut zu den Friedenstagen passt, weil er sich textlich damit beschäftigt, dass alles eins ist: „Wenn alles eins ist, wieso soll man sich dann bekämpfen? Man bekämpft sich doch nur selbst“, philosophierte Martinho.

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