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07.07.2006: Von Bildern lernen, dass auch der Friede zählt (Stuttgarter Zeitung)

Von Thomas Schmid

Bericht der Stuttgarter Zeitung über Ausstellung und Begleitprogramm im Stuttgarter Rathaus.

In einem Workshop sollen sich Schüler mit der Fotoausstellung „Peace Counts“ im Rathaus auseinander setzen.

Täglich ist in den Medien von Kriegen, Konflikten oder Gewalt zu lesen und zu hören. Dass es auch Frieden und Friedensmacher gibt, zeigt eine Ausstellung im Rathaus. In einem Workshop dazu lernen Schüler, dass auch das eine Nachricht wert ist.

Mit Papier und Stiften bewaffnet laufen sie über den Flur des Rathauses. Alle paar Meter bleiben die Jungen und Mädchen der Klasse 10a vom Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium stehen, machen sich Notizen auf ihrem Fragebogen. Eine der Fragen: „Welches Bild spricht dich an? Warum?“ Sie betrachten etwa zwei bis drei Dutzend Fotografien, die an den Wänden hängen. Später werden sie in kleinen Gruppen über verschiedene Aspekte des Themas „Frieden“ diskutieren. Insgesamt zwei Stunden lang sollen sich die Schüler beim Workshop des Tübinger Instituts für Friedenspädagogik damit auseinander setzen, wie man Frieden schaffen kann.

Unter dem Titel „Peace Counts“ stellt die gleichnamige Münchner Stiftung seit rund drei Jahren in Fotos und Reportagen Menschen und Projekte aus aller Welt vor, die zur Lösung von Konflikten beitragen. Seit Anfang Juni ist die Ausstellung im dritten und vierten Stock des Rathauses zu sehen. Es sind Bilder aus Nordirland, Jerusalem, Mali oder Amerika. Bilder von Tanzprojekten für Straftäter, von befriedeten Guerillakämpfern oder ehemaligen Terroristen, die der Gewalt abgeschworen haben und heute als Jugendarbeiter tätig sind. Die Idee hinter der Ausstellung und hinter dem Projekt „Peace Counts“ sei, aufzuzeigen, dass es nicht nur ungelöste Konflikte gibt, sagt Bernhard Hametner. Zusammen mit zwei Kolleginnen vom Institut für Friedenspädagogik, leitet er den Workshop für Schulklassen.

Dieser soll – quasi als betreuter Ausstellungsbesuch – erreichen, dass die jungen Teilnehmer die Bilder nicht nur als reine Kunstwerke betrachten, sondern auch deren Inhalt reflektieren. Daher bekommen die Schüler nach dem Rundgang spielerische Aufgaben, die sie in Gruppen von vier oder fünf bearbeiten sollen: Fotografien in eine Reihenfolge bringen, um damit eine Geschichte zu erzählen; diskutieren, was „Friedensjournalismus“ sein könnte; Regeln für faires Spielen aufstellen. Bei der Aufgabe „Streitkultur“ sollen sie Zeichnungen von diskutierenden bis streitenden Menschen analysieren – und beurteilen. Fazit der Gruppe: „Man sieht: Streiten will gelernt sein.“ Einer der Schüler ergänzt: „Man muss sich ja schließlich nicht gleich die Köpfe einschlagen.“ Hametners Kollegin Verena Röthemeyer spricht vom Prinzip der Deeskalation.

Während die Klasse 10a sich mit den Aufgaben des Workshops auseinander setzt, erzählt ihr Gemeinschaftskundelehrer Gerd Braitmaier, warum er mit seinen Schülern dieses Extraangebot nutzt. „Die Jungen und Mädchen sind mit dem Thema bereits vertraut“, sagt er. Im Februar hätten sie die Themen Konflikte und Berichterstattung der Medien bereits im Unterricht behandelt. „Das passt einfach gut in den Lehrplan.“ Schulfrei gab es für diesen Ausflug übrigens auch.

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