Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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08.11.2006: Zeigen, wie man Frieden macht (Schwäbisches Tagblatt)

Vor 30 Jahren wurde in Tübingen der Verein für Friedenspädagogik gegründet/Weltweit gefragt

Von Jonas Bleeser

TÜBINGEN. Krieg und Frieden sind auch Erziehungssache. Seit 30 Jahren sucht das Institut für Friedenspädagogik Tübingen deshalb nach Wegen, wie man Konflikte gewaltlos lösen kann. Aus einer Uni-Arbeitsgruppe zur Friedensforschung als Verein entstanden, arbeitet das in der Corrensstraße beheimatete Institut heute vor allem an der Entwicklung von Bildungsmedien - und ist auch international als friedenspädagogischer Think-Tank gefragt.

Als 1976 der Verein für Friedenspädagogik ins Leben gerufen wurde, konnten die Gründungsmitglieder nicht ahnen, dass damit der Grundstein für ein international anerkanntes Institut gelegt würde, Anfangs kümmerte sich die aus einem Friedensforschungsprojekt der Uni heraus entstandene Gruppe vor allem um die wissenschaftliche Begleitung der Friedensarbeit vor Ort: „Man wollte die Friedensbewegung wissenschaftlich pushen", so Günther Gugel, einer der beiden heutigen Geschäftsführer. Er ist seit 1980 dabei.

Man befasste sich mit den Auswirkungen der vom Kalten Krieg geprägten Rüstungsspirale auf die Kommunen, erstellte Broschüren über die Gefahren der Neutronenbombe oder zum damals heiß diskutierten Bunkerbau. „Dabei haben wir uns immer als Bildungseinrichtung gesehen, die allen Interessierten Informationen zur Verfügung stellt, nicht als Aktionsbüro", so Gugels Geschäftsführerkollege Uli Jäger. Dieser Kurs brachte dem Verein auch Kritik von Tübinger Friedensgruppen ein, letztlich führte er aber zur heutigen, parteiübergreifenden Akzeptanz des Instituts.

Für die Entwicklung zum überregional bedeutsamen Institut (1999 honorierte die Unesco die Arbeit mit einem Ehrenpreis) sehen Jäger und Gugel viele Gründe: Das akademisch geprägte, widerständige Milieu Tübingens, in dem der Verein prachtig gedieh, spielte ebenso eine Rolle wie die Nähe zu den wissenschaftlichen Einrichtungen der Universität. „Man könnte den Verein nicht nach Reutlingen transferieren", sagt Gugel. Die Unterstützung durch die Berghof-Stiftung für Konfliktforschung, die den Verein nahezu von Beginn an finanziell forderte, ist bis heute entscheidend: „Ohne diese Stiftung gäbe es das Institut in der Form nicht", sagt Jäger.

Nach beengten Anfängen in der Seelhausgasse und später in der Bachgasse hat die Friedenspädagogik in Deutschland in den hellen und großzügigen Räumen in der Corrensstraße 12 seit vier Jahren eine feste Adresse. Benannt ist das Georg-Zundel-Haus nach dem Stifter, dem Sohn der Bosch-Tochter und Kunsthallen-Mäzenin Paula Zundel. Hier gibt es Platz für Seminarräume und Materialien: „Unsere Bibliothek ist aktueller als die an der Uni", sagt Jäger nicht ohne Stolz, „und sie ist mit 10 000 Titeln die größte Friedensbibliothek in Deutschland."

Eine der Hauptaufgaben des Instituts ist heute die Konzeption von Bildungsmaterialien zu den Themen Friedenserziehung und Konfliktbewältigung: „Da ist unser Know-how sehr gefragt und anerkannt", sagt Gugel. „Wir liefern am Ende kein Manuskript ab, sondern ein fertiges Produkt."

Und zwar eines, das nicht nur die aktuellen Ergebnisse aus der Forschung mit den konkreten Erfahrungen aus der Bildungsarbeit verbindet, sondern auch technisch auf dem neusten Stand ist: Schon früh erkannten die Tübinger Friedenspädagogen die Möglichkeiten moderner Medien. Und so produzieren sie heute im Auftrag und in Zusammenarbeit mit Organisationen wie „Brot für die Welt" oder der Bundeszentrale für politische Bildung im eigenen Verlag CD-Roms für Schulen und Entwicklungsarbeit oder managen ein Internetangebot für Kinder zum Thema Krieg und Frieden. Dabei stützt sich das Institut auf ein breites Netzwerk von Experten: Grafiker, Fotografen, Sprachwissenschaftler, Pädagogen, Kameraleute arbeiten mit.

In letzter Zeit häufen sich auch Anfragen zu Expertisen und Beratung zu internationalen Krisengebieten: Entwicklungshilfeorganisationen und auch staatliche Stellen setzen auf das Fachwissen aus Tübingen.

Am Freitag ladt das Institut um 17 Uhr zur Eröffnung der Ausstellung „Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher" in die Kreissparkasse am Lustnaucr Tor, die Friedensprojekte verschiedener Ländern zeigt. Dazu bieten die Friedensmacher Schulklassen in den nächsten vier Wochen pädagogische Begleitung an - es sind noch Plätze frei. Die abendliche Festveranstaltung am Freitag im LTT ist dagegen bereits ausgebucht.

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