Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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16.03.2004: Zivilcourage als Lernstoff (Schwäbisches Tagblatt)

Ratgeber vom Institut für Friedenspädagogik zum Umgang mit Konflikten

TÜBINGEN (rik). Zivilcourage: Wie kann man seine Mitmenschen im Alltag davon überzeugen, dass Wegschauen und Schweigen in Konfliktsituationen wie sexueller Bedrohung, schulischen Auseinandersetzungen oder Mobbing-Situationen am Arbeitsplatz nur die Täter, nicht aber die Opfer schützen? Das Institut für Friedenspädagogik hat dafür jetzt ein 400 Seiten starkes Kompendium vorgelegt.

In dem dicken Band sind wissenschaftliche Analysen, Modelle und praktische Arbeitshilfen zum Thema Zivilcourage zusammengeführt. "Das ist das erste, einmalige und umfassendste Werk in Deutschland", sagten die beiden Mitherausgeber Gerd Meyer und Günther Gugel kürzlich bei der Buchvorstellung.

Was tun, wenn in Betrieben und Schulen Gewalt angewendet wird? Wie vorbeugen, damit Konflikte nicht eskalieren? Solchen Fragen widmete sich eine vom Institut für Friedenspädagogik in Zusammenarbeit mit den Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung sowie dem Tübinger Institut für Politikwissenschaft herausgegebene Studie. Dem mit vielen Bildern illustrierten Werk liegt eine CD-ROM bei, die anhand verschiedener Szenarien Konflikte und Bewältigungsmöglichkeiten zeigt.

Auf über 400 Seiten haben 33 Wissenschaftler und zum Thema Zivilcourage seit Jahren arbeitende Praktiker mit Fallstudien und dem wissenschaftlichen Unterbau "eine Art Handbuch für Multiplikatoren im Bildungsbereich" erstellt, wie Gugel und Meyer erläuterten. "Zivilcourage kann aber nicht in einer Woche oder bei einem Seminar erlernt werden", weiß Günther Gugel vom Institut für Friedenspädagogik. Das müsse kontinuierlich und systematisch trainiert werden, schließlich sei Zivilcourage "nicht nur das Lernen von Wissen".

Rechtzeitig die Pfeife blasen
Der Band ist in vier Teile untergliedert: Ausgehend von der Erklärung des Begriffs folgt im zweiten Teil ein Überblick über gesellschaftliche Erfahrungen in der Praxis. Modelle und Arbeitshilfen dazu liefert ein weiteres Kapitel, informative Arbeitsmaterialien hat Mitherausgeber Gugel zusammengestellt. Ein umfassendes Verzeichnis über Initiativen und Literatur findet sich im letzten Kapitel. In den Buchhandlungen ist der Band für 22 Euro zu erhalten, wer den praktischen Ratgeber direkt bei den Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung anfordert, zahlt dagegen nur vier Euro pro Exemplar (allerdings ist die Auflage dort limitiert).

Der Wälzer gibt, so Gerd Meyer vom Institut für Polltikwissenschaften, "erstmals einen kompletten wissenschaftlichen Überblick der Forschung zum Thema Zivilcourage"; Meyer selbst hat in einem weiteren Büchlein Forschungsergebnisse zum Thema zusammengetragen. Zugleich bietet das Werk Zielgruppen wie Ausbildern in Berufsschulen, Lehrern, Verbänden, Gewerkschaften, freien und kirchlichen Trägern Praxisbeispiele, wie und wo man sich einmischen kann.

Aus Amerika stammt beispielsweise der Begriff "Whistleblowing", was wörtlich übersetzt "die Pfeife blasen" heißt und mit "ausplaudern, verpfeifen" gleichzusetzen ist. Dabei geht es um die Enthüllung schwerwiegender Missstände in Betrieben und Arbeitsumfeldern, die dank couragierter Mitarbeiter aufgedeckt werden. Das US-Nachrichtenmagazin "Time" etwa hatte das Jahr 2002 zum Jahr der Whistle-Blowers ausgerufen und dann drei Frauen prämiert, die bei großen Unternehmen wie Enron, World Com und dem FBI brisante Verstöße enthüllt hatten.

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