Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Begründung für die Verleihung der Medaille

Der Verein für Friedenspädagogik Tübingen besteht seit fünf Jahren. Die Arbeit jedoch wird bereits seit gut zehn Jahren geleistet. Die Frauen und Männer, die wir auszeichnen wollen, sind alles andere als sogenannte "Resolutionspazifisten" (Theodor Heuss). Im Gegenteil - aus ihren ausführlichen Berichten über Tätigkeit, Themenstellungen, Erfolgen und Rückschlägen spricht persönliches Engagement, Glaubwürdigkeit, Grundsatztreue und Selbstkritikfähigkeit. Die Themen- und Projektauswahl ist weit gesteckt: Widerstand im Dritten Reich - Judenverfolgung - Friedenserziehung in der Schule - Wehrkunde in der DDR - israelische Lehrer zu Besuch - Diskussion über Wehrpaß-Verbrennungen - Zivildienst - Treffpunkt der Polenfahrer - Besuch in Auschwitz - Neofaschismus - Nachrüstungsbeschluß. Was uns bei diesen an sich geläufigen Themen gefallen hat, ist die Art ihrer Bearbeitung, ist das Bemühen, die eigenen Überzeugungen nicht als die allein seligmachenden zu verabsolutieren, sondern bei jedem Problem doch noch ein ganzes Stück tiefer zu schürfen. Die Tübinger Gruppe bemüht sich immer wieder zu erkennen, daß es nicht damit getan ist, den Frieden zu wollen, dafür zu demonstrieren, den Dienst mit der Waffe zu verweigern, sondern immer von neuem mit der Befragung nach der eigenen Friedensfähigkeit zu beginnen. So haben sie zum Beispiel erkannt, daß Kriegsdienstverweigerer, die in ihrem Innersten mit der Gewalt terroristischer Gruppen sympathisieren, diesem Maßstab ebensowenig standhalten können, wie der Israel-oder Polenfahrer, der die Diskriminierung ausländischer Mitbürger oder Vorurteile gegen Andersartige übersieht. Daraus resultiert die richtige Erkenntnis, daß der Weg zum inneren und äußeren Frieden weit beschwerlicher ist als Demonstrationen oder Protesthaltungen. Ferner, daß dieser Weg an der Veränderung des eigenen Denkens und Verhaltens nicht vorbeiführt und dieses nicht ausgespart werden darf. Die dem Tübinger Verein für Friedenspädagogik zuerkannte THEODOR-HEUSS-MEDAILLE will gerade dieses Bemühen um die eigene Friedensfähigkeit auszeichnen, dazu ermutigen und zur Nachahmung empfehlen.

-Hildegard Hamm-Brücher, 6.2.1982

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