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Ein halbes Jahr nach Durchführung des erfolgreichen Pilotprojektes von „Peace Counts on Tour“ in Colombo (Sri Lanka) war im Oktober 2007 die mazedonische Hauptstadt Skopje die zweite Station. Zehn Tage lang betreuten Uli Jäger und Ana Mijic (ift) sowie Tilman Wörtz (Agentur Zeitenspiegel) in Mazedonien die Ausstellung „Peace Builders Around the World“ und führten friedenspädagogische Workshops durch.
„Peace Counts on Tour“
Ansatz des Projektes „Peace Counts on Tour“ ist die Auseinandersetzung mit Best Practice-Beispielen erfolgreicher Friedensstiftung in unterschiedlichsten Konfliktregionen. Best Practice-Beispiele sind eine bisher noch wenig genutzte, doch erfahrungsgemäß produktive Quelle der Inspiration und öffnen im jeweils eigenen Land neue Möglichkeitsräume. Diesem Zweck dienen die vom Peace Counts project recherchierten, veröffentlichten und vom Institut für Friedenspädagogik didaktisch aufbereiteten Best Practice-Beispiele.
„Peace Counts on Tour“ ist ein Projekt des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen e.V. (in Zusammenarbeit mit der Agentur Zeitenspiegel) und wird vom Institut für Auslandsbeziehungen mit Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert. Das Projektarrangement besteht aus der Fotoausstellung „Peacebuilders Around the World“ sowie einem friedenspädagogischen und friedensjournalistischen Begleitprogramm in Form von Lernzirkeln, Workshops und Vorträgen. „Peace Counts on Tour“ wendet sich an die Öffentlichkeit (Ausstellung), vor allem aber an Multiplikatoren und Journalisten (Begleitprogramm).
„Peace Counts on Tour“ ist keine kommunikative Einbahnstraße. Die Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Lernzirkel und Workshops werden dokumentiert und ausgewertet (Bild, Text und Ton). Ziel ist es, am Ende einer dreijährigen Praxiserfahrung ein international erprobtes „Lehrbuch für Friedensstiftung“ zu entwickeln und zu veröffentlichen.
Station Mazedonien
Nach der erfolgreichen Durchführung eines Pilotprojektes in Sri Lanka (Februar 2007) wurde „Peace Counts on Tour“ im Oktober 2007 in Mazedonien fortgesetzt. Partner vor Ort war die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE. Deren „Spillover Monitor Mission to Skopje“ wurde bereits 1992 initiiert und ist die am längsten andauernde Mission der OSZE.
Mazedonien gilt als Beispiel für erfolgreiche Konfliktprävention, u.a. durch internationale Organisationen wie die OSZE. Gleichwohl birgt das heutige Mazedonien ein weiterhin hohes Konfliktpotential und die dort tätigen Friedensallianzen von internen und externen Akteuren bedürfen nachhaltiger Unterstützung und Ermutigung. Die 2001 eskalierten gewaltsamen Ausschreitungen vor allem zwischen albanischen Rebellen und mazedonischer Polizei und Armee konnten durch das Eingreifen der NATO, der EU und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beendet werden. Auf internationalen Druck hin einigten sich die Konfliktparteien auf das „Rahmenabkommen von Ohrid“, in dessen Mittelpunkt die Verbesserung der Minderheitenrechte durch zahlreiche Verfassungsänderungen steht.
Die im Rahmenabkommen von Ohrid vereinbarten Verfassungsreformen werden jedoch zwischenzeitlich selbst in Frage gestellt. Sie werden von der mazedonischen Mehrheit als eine Verletzung nationaler Rechte empfunden, was damit zusammenhängt, dass sie eine positive Diskriminierung der albanischen Minderheit mit sich bringen. Dies führte letztlich zu einer tieferen Spaltung zwischen den ethnischen Gruppen, die auch heute noch die mazedonische Gesellschaft charakterisiert. Als Indikator (und gleichzeitig Ursache) für die anhaltende ethnische Spaltung wird etwa das mazedonische Bildungssystem angeführt: Vormals ethnisch gemischte Schulen werden getrennt, das Lehrpersonal ist hochgradig politisiert. Die Kenntnisse der Staatssprache Mazedonisch gehen innerhalb der albanischen Minderheit weiter zurück und an ethnisch gemischten Schulen mangelt es an gut ausgebildetem Lehrpersonal. Eine solche Spaltung fördert bereits im frühen Kindesalter Vorurteile und Feindbilder sowie negative soziale Verhaltensmuster.
Des Weiteren wird bemängelt, dass die ethnische Minderheit der Roma im Rahmenabkommen von Ohrid nicht berücksichtigt wurde. Wie in den meisten ost- und südosteuropäischen Ländern gehören die Roma auch in Mazedonien zu den am stärksten diskriminierten Minderheiten. Trotz des Rahmenabkommens von Ohrid und seiner Umsetzung, ist die Situation in Mazedonien also als spannungsgeladen zu bezeichnen. Eine zusätzliche Belastung für die soziale Stabilität des Landes stellt die hohe Arbeitslosigkeit von über 30 Prozent dar.
Erfolgreich: Friedenspädagogische Workshops
Ausstellung und Workshops konnten in der Nationalgalerie „Mala Stanica“ durchgeführt werden. Die Ausstellung wurde in der englischer Version präsentiert, die Besucherinnen und Besucher sowie die Telnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops bekamen eine Broschüre mit Übersetzungen aller Texte in mazedonischer und albanischer Sprache ausgehändigt. An der Eröffnung nahmen der Deutsche Botschafter in Mazedonien, Ralf Andreas Breth, und der Direktor der OSZE, Botschafter Giorgio Radicati, teil.
Im Rahmen der zehntägigen Präsenz wurden mehrere Workshops mit unterschiedlichen Zielgruppen durchgeführt. Dazu gehörten:
– Realschul- und Gymnasiallehrern der Fächer Sozial-/Gemeinschaftskunde und Soziologie aus Skopje, Makedonski Brod, Vinica, Kumanovo und Tetovo;
– Internationales Ausbildungspersonal für die mazedonische Polizei
– Mitarbeiter der OSZE („OSCE Spillover Monitor Mission to Skopje“)
– Mitglieder der internationalen Studentenorganisation AIESEC;
– Mitarbeiter des Macedonian Civic Education Center, MCDE;
– Mitglieder des Youth Educational Center Skopje.
Für das Programm der friedenspädagogischen Workshops wurden aus vier vorbereiteten Modulen unterschiedliche Schwerpunktsetzungen gewählt.
Baustein 1: Was bedeutet „Frieden“?: Einführung in Thematik und Rundgang durch die Ausstellung
– Methode: Auswahl eines Fotos „Welches Foto drückt für Sie persönlich am eindrucksvollsten Ihre Vorstellung von Frieden aus?“
– Material: Ausstellung; Fotokarteien A-4
– Ziel: Auseinandersetzung im Plenum anhand der ausgewählten Fotos mit den verschiedenen Bedeutungen von „Frieden“. Auswertung vor dem Hintergrund individueller Erfahrungen in Ergänzung mit Definitionen aus der Friedens- und Konfliktforschung.
Baustein 2: Streitkultur: Arbeiten zum Thema „Umgang mit Konflikten“
– Methode: Arbeit in Kleingruppen und Plenum mit erprobten Fotogeschichten
– Material: Bilderbox Streitkultur und Bilderbox Konfliktgeschichten des ift
– Ziel: Anregungen zur Wahrnehmung, Beurteilung und Interpretation von Konfliktsituationen anhand der neun Stufen der Konflikteskalation nach Friedrich Glasl. Diskussion von Handlungsmöglichkeiten in Konfliktsituationen.
Baustein 3: Wege aus der Gewalt: Vertiefung ausgewählter Best Practice-Beispiele aus der Ausstellung
– Methode: Multimedia-Präsentation, Kleingruppen, Plenum
– Material: CD-ROM „Peace Counts. Success Stories from Peacebuilders Worldwide. The Best Stories“
– Ziel: Aufzeigen unterschiedlicher Wege aus der Gewaltspirale. Transfer der Best Practice-Beispiele auf eigene Konfliktsituation.
Baustein 4: Wie man Frieden macht: Identifizierung und Diskussion möglicher Fähigkeiten und Kompetenzen für Friedensarbeit
– Methode: Multimedia-Präsentation, Diskussion in Kleingruppen, Plenum
– Material: „Zehn Thesen – Wie man Frieden macht“ (Peace Counts)
– Ziel: Kritische Auseinandersetzung mit und Fortschreibung der „Zehn Thesen“; Selbstreflexion eigener Fähigkeiten und Kompetenzen; Transfer der Best Practice-Beispiele auf eigene Konfliktsituation.
Die Konzeption einzelner Bausteine erlaubt eine offene Gestaltung des Workshops. Nicht alle Bausteine kommen in jedem der Workshops zum Einsatz. Je nach Zielgruppe, Interesse und gegebenem Zeitrahmen besteht die Möglichkeit, individuelle Programme zusammenzustellen.
Nach dem Rundgang durch die Ausstellung war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops die inhaltliche Vertiefung ausgewählter Reportagen von großer Bedeutung. Auf besonderes Interesse stießen die Erfahrungen der „School for Peace“ in Neve Shalom / Wahat al Salam mit den dort erprobten Dialogmodellen zwischen Konfliktparteien. So rankten sich die Gespräche immer wieder um die Frage, wie Begegnung und Dialog zwischen mazedonischer Mehrheit und albanischer Minderheit gefördert werden kann. Hier lieferte die „School for Peace“ wertvolle Anregungen. Für das internationale Ausbildungspersonal der mazedonischen Polizei entpuppte sich die Reportage über die Organisation „Viva Rio“ in Rio de Janeiro und den Ansatz der „Community Police“ als äußerst inspirierend.
Wie schon in Colombo / Sri Lanka schätzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Arbeit mit den vom ift entwickelten Bilderboxen „Streitkultur“ und „Konfliktgeschichten“ besonders. Alle Gruppen betonten hohes Interesse an einer Vertiefung der Kontakte und an weiterer Zusammenarbeit.
Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
– „Die Bilder der Ausstellung sind sehr schön und sie passen sehr gut zu den Inhalten des Workshops, zu dem, was wir in den Workshops behandelt haben. Der Workshops selbst hat mir sehr gut gefallen, da ich neue Möglichkeiten des Arbeitens kennen lernen konnte. Das Wesentliche für mich war dabei die Arbeit mit Bildern. Die Bilder regen zum Nachdenken an. Wir alle haben irgendwelche Vorstellungen und Ideen zur Verbreitung des Friedens auf der Welt. Doch es sind diffuse Ideen und Wunschbilder. Die Bilder und die Ausstellung sowie der Workshop regen dazu an, konkreter über den Frieden nachzudenken. Was ist notwendig? Wo liegen die Schwierigkeiten? Was könnte ich selbst tun? Es ist ganz anders reale Situationen als Ausgangspunkt zu nehmen. Es sind alles reale Situationen, die im Rahmen der Ausstellung vorgestellt werden.
Die Konzeption des Workshops hat mir sehr gut gefallen. Die Kombination von visuellen Elementen, von Diskussionen in Kleingruppen und Plenum sowie dem Einsatz der CD-Rom war sehr anregend. Diese Kombination hinterlässt meiner Meinung nach einen viel stärkeren Eindruck als ein Frontalunterricht darüber, was Frieden denn ist.“
Biljana Smilevska, Grundschullehrerin für Gemeinschafts- und Sozialkunde
– „I like the exhibition and the workshop very much because all the pictures helped me to start to think about peace in a different way. Peace was usually just a word I thought that I can’t learn much more about it. Especially the workshop we had after seeing the exhibition was amazing. It was a new interactive way of talking to these other young people and just getting to know more about peace in a way I hadn’t thought that I could learn about peace before.“
Olivera Aritonoska, AIESEC Mazedonien