Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Begrüßungsrede bei der Ausstellungseröffnung - Benjamin Boy

Kloster Denkendorf, 25.5.2008

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen des Vereins Haus Abraham begrüße ich Sie ebenfalls recht herzlich zu der Ausstellung „Peace Counts – die Erfolge der Friedensmacher“.

Diese Veranstaltung wäre ohne die langjährige Erfahrung des Instituts für Friedenspädagogik Tübingen und der Agentur Zeitenspiegel nicht umzusetzen gewesen, so dass ich mich gleich zu Beginn der Veranstaltung für die unkomplizierte Kooperation bedanken möchte! Darüber hinaus möchte ich mich bei der Aktion Mensch bedanken, die die Ausstellung und das pädagogische Begleitprogramm finanziell unterstützen.

Ich freue mich ganz besonders, dass die erste Ausstellung, die der Verein Haus Abraham mitorganisiert, „Frieden“ thematisiert.

Sicherlich, man könnte einwenden, dass Frieden ein schon fast abgedroschenes Wort ist, das inzwischen fast jeder Politiker in seinem Vokabular haben muss – oft wird es wohl auch eher als ein langweiliges Thema aufgefasst. In der heutigen schnelllebigen Zeit sind Kriegsbilder, die man inzwischen direkt von vorderster Front ins Wohnzimmer beliefert bekommt, viel interessanter.

Und sind es nicht gerade die drei abrahamitischen Religionen, die in der Vergangenheit dem Frieden oft im Weg standen und dies auch noch heute tun, wenn wir die vielen religiös aufgeladenen Konflikte betrachten, an denen die drei Weltreligionen beteiligt sind?

Dennoch glaube ich, dass die Ausstellung „Peace Counts“ und die Konfrontation mit Frieden gerade deshalb in vielerlei Hinsicht sehr gut in das Haus Abraham passen. Peace Counts und die Initiative Haus Abraham verbinden vielleicht mehr als man zunächst erwarten könnte.

Der Verein Haus Abraham wurde, wie die meisten von ihnen wissen, im März letzten Jahres gegründet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die Begnung zwischen Juden, Christen und Muslimen zu fördern und den Wert der Toleranz auch der Öffentlichkeit nahe zu bringen. Es engagieren sich Menschen in dem Verein, die in der Verwandtschaft der drei Religionen eine Chance und eine Verpflichtung zu mehr Frieden und gegenseitigem Respekt sehen. Die Vision ist ein gemeinsamer Ort, an dem das Aufeinandertreffen von Kulturen und religiösen Überzeugungen nicht sich selbst überlassen wird, sondern durch unterschiedliche Veranstaltungen gestalten werden soll.

Inhaltlich sind wir schon ganz nahe bei der Ausstellung. Auf den Bildern der Ausstellung werden Menschen gezeigt, die sich unter schwierigsten Bedingungen für eine friedlichere Welt einsetzen, sie wollen ihr Land nicht seinem Schicksal überlassen, sondern setzen sich für Gerechtigkeit, Toleranz und ein friedliches Miteinander ein.

Sie mögen sich sagen, dass wir in Deutschland in sicheren Verhältnissen leben, ein gewaltsamer Konfliktaustrag nicht mehr vorstellbar ist. Und der Frage, mit der wir in den nächsten drei Wochen sicherlich häufig konfrontiert werden, wieso wir uns heutzutage noch mit dem Thema Frieden beschäftigen sollen, müssen wir uns sicherlich stellen.

Bei Betrachtung des Friedensbegriffs wird jedoch schnell klar, dass uns das Thema gerade auch in Deutschland mit seiner kulturellen und religiösen Vielfalt etwas angeht.
Eine Friedensdefinition, und da sind wir uns heute Abend glaube ich einig, sollte im 21. Jahrhundert ambitioniert sein. Mit einer Definition des Friedens verstanden als „Abwesenheit von Krieg“ sollten wir uns nicht zufriedenstellen. Doch werden wir in den Workshops in den kommenden Tagen mit den Schülern erleben, dass es gar nicht so einfach ist, den Frieden in Worte zu fassen.

Die Stärke der Ausstellung Peace Counts und des pädagogischen Begleitprogramms liegt meiner Meinung nach genau darin, dass sie keine vorgefertigten Antworten vorgegeben, sondern zum Dialog über Frieden auffordern.

Und genau diesen Dialog müssen wir meiner Meinung nach auch in einem Haus Abraham führen. Denn wie sieht es mit dem Frieden in Bezug auf Religionen aus?

Können wir in Deutschland von einer friedlichen Gesellschaft sprechen, wenn Synagogen von Polizisten bewacht werden müssen und nur nach einer Passkontrolle zu betreten sind? Wenn 95% der Berichte über den Islam, ich betone Islam nicht Islamisten, in den Medien von Gewalt und Terror handeln? Wenn sich durch diese einseitige Berichterstattung Vorurteile gegenüber dem gesamten Islam verstärken und Muslimen das Gefühl vermittelt wird unter ständigem Generalverdacht und Rechtfertigungsdruck zu stehen?

Es wird glaube ich sehr schnell klar, dass wir uns gemeinsam Gedanken machen müssen, was Frieden in unserer heutigen pluralen Gesellschaft auch in Bezug auf Religionen bedeutet. Von den in der Ausstellung ausgestellten Projekten und Personen kann man dabei glaube ich viel lernen.

Ich habe es schon erwähnt, dass es sicherlich viele Aspekte gibt, die diese Ausstellung mit dem Projekt Haus Abraham verbinden. Auf eine will ich am Ende noch hinweisen. Peace Counts und das Haus Abraham haben vielleicht einen idealistische, aber auch sehr schöne Überzeugung gemein, nämlich, dass „Frieden möglich ist“. Ich möchte dabei noch hinzufügen, dass „Frieden zwischen den Religionen“ möglich ist. Diesen Glauben und diese Vision, sollten wir uns immer wieder bewusst machen. Mit Blick auf die Geschichte und das internationale Weltgeschehen fällt dies vielleicht schwer und scheint tatsächlich sehr illusionär. Doch wir haben in Deutschland genau diese Chance zu zeigen, dass es möglich ist. Dies zu zeigen und zu leben, muss, bei allen Unterschieden der Religionen, meiner Meinung nach ein Ziel des Vereins Haus Abraham sein, denn wenn ein friedliches Zusammenleben der Religionen und nicht ein Nebeneinanderleben, nicht hier möglich ist, wo dann?

Ich darf Sie an diesem Abend noch auf zwei weitere Veranstaltungen aufmerksam machen, die sehr gut in das Konzept der Ausstellung passen. Am 1. Juni, also nächsten Sonntag findet auf dem Stuttgarter Marktplatz von 13-18 Uhr ein Fest der Religionen statt. Es wurde von unterschiedlichen Gemeinden und Vereinen organisiert und es soll ein Zeichen für Toleranz und ein friedliches Miteinander gesetzt werden. Es wird zum einen eine Woche vor Beginn der Europameisterschaft eine EM der Religionen ausgespielt bei der sich die Religionen sportlich messen werden. Darüber hianus gibt es ein kulturelles Rahmenprogramm mit Tanz und Musik aus den Religionen und für Kinder wird es viele Angebote geben.

Die zweite Veranstaltung, der nächste Abend der Begegnung des Vereins Haus Abraham, findet am 3. Juni hier im Kloster Denkendorf statt. Abrahams Kinder werden kochen! Wer nicht kochen will, kann sich auch bekochen lassen. Wenn sie Lust haben, an diesem Begegnungsabend teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei Frau Brand. Die Kontaktdaten finden sie auf den ausliegenden Flyern.

Bei diesen Veranstaltungen und vor allem bei der Ausstellung werden sie sich hoffentlich überzeugen können, dass Frieden nicht langweilig sein muss, sondern viel Spaß machen kann! Vielen Dank für ihr Kommen!

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