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Klaus Vogel
Ist nicht das Thema "Krieg" zu ernst, als dass man es in einer satirischen Parabel mit Schülern behandelt? Führt diese phantastische Erzählung die Schüler nicht von der Wirklichkeit weg und erschwert die Realitätsbewältigung durch illusionäre Traumlösungen? Oder ermöglicht nicht gerade angesichts des unbegreifbaren Elendes, das Kriege über die Menschen und auch die Kinder bringen, die phantastische Erzählung einen Weg der Auseinandersetzung. "In einer realistischen Kindergeschichte werden meist Anpassungsleistungen der Protagonisten an eine fiktionale Realität gefordert. Phantastische Kinderliteratur will etwas anderes: Der entscheidende Prozess läuft hier nicht auf der Handlungsebene ab, sondern im Bewusstsein der Protagonisten wie der Leser. Der Leser, der sich mit dem kindlichen Helden identifiziert, begeht tatsächlich so etwas wie eine Flucht vor der Wirklichkeit. Aber diese Flucht führt ihn nicht in ein Niemandsland, sondern in eine phantastische Welt, die konträr zu den Anforderungen der Wirklichkeit steht. Auf diese Weise schützt sich der Leser vor einer vollständigen Vereinnahmung durch seine Umwelt und kann dadurch ein Stück Phantasie retten - jene Phantasie, die es möglich macht, die Verhältnisse der Realität auch einmal umzukehren, sie zu verändern, selbst wenn es bei einem Gedankenspiel bleibt." (5)
Klassenlektüren ermöglichen vor allem "buchfernen" Kindern und Jugendlichen, einen Zugang zu Langtexten zu finden. Die "Konferenz der Tiere" ist hier ideal, da der Textumfang nicht sonderlich groß ist und die Textteile durch die sehr ansprechenden und witzigen Zeichnungen zum Verweilen aber auch zum bildlichen Antizipieren der Handlung einladen. Zudem ist das Buch eine Art "Zwiebelbuch", wie Michael Saar ausführt. Seine verschiedenen "Häute" können je nach Bedarf und Verwendung abgehoben werden. "Die Leser werden ganz unterschiedlich tief eindringen, die jüngeren werden nur die oberen Schichten durchdringen und sich in erster Linie für das vordergründige Geschehen interessieren; die älteren werden sehr viel weiter vorstoßen, auch zwischen den Zeilen lesen, das Ungesagte mitverstehen und hinter dem spannenden Handlungsverlauf auch den um die Kinder und deren Zukunft besorgten Autor erkennen. Bei jeder Lesealtersstufe aber wird eine adäquate Erfassung des Buches möglich sein, und auf jedes Alter wird es seine spezifische Wirkung ausüben." (6)
Entsprechend offen sollte auch das Vorgehen im Unterricht sein und den Leseerwartungen vor allem der schwachen Leser möglichst gerecht werden. Was nicht heißen soll, dass man nicht den "Leseratten" bei einer projektorientierten Arbeitsweise auch genügend Raum gibt, sich ihrer Lesekompetenz gemäß einzubringen. (7)