Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Unterrichtsanregungen

Klaus Vogel

Motivation und Textklärung
Erste Aufgabe im Unterricht ist es, das Interesse der Schüler für das Buch zu wecken und die Kenntnis des Textes herbeizuführen.

Vorschläge
Kästner ist ein Autor der vielen Schülern bekannt ist. Ausgehend von einem Kästnerporträt ist es eine Möglichkeit, die Leseerfahrungen von Schülern mit Büchern dieses Autors oder die Kenntnis von Kassetten und Filmen zu den Büchern zu nützen, um die Neugier für dieses Buch zu wecken.
Der Titel und das Betrachten von Bildern aus dem Buch sind eine weitere Möglichkeit, eine Erwartungshaltung aufzubauen.
Auch längeres Vorlesen durch die Lehrkraft kann die Schüler für das Buch einnehmen. An einer geeigneten Stelle kann dann das Vorlesen abgebrochen werden. Aus Fragen über den Fortgang erwächst die Motivation zum Weiterlesen.(8)
Die "Telegramme an alle Welt" (S. 5, 11, 56, 57, 63, 69, 77, 85) bilden ein Gerüst, das inhaltliche Aspekte der Handlung erahnen lässt. Es bleibt aber auch vieles noch offen. Besonders ältere Schüler können zu den Telegrammen zunächst Fragen formulieren, die anschließend durch das Lesen beantwortet werden.
Wichtig ist es auch, in Klassengesprächen schwierige Textstellen zu klären. Über mögliche Bedeutungen wird nachgedacht, Passagen werden nacherzählt, zusammengefasst oder mit Leitfragen erarbeitet. Beim Ergebnisvergleich lässt sich das Belegen von Aussagen mit Textstellen gut üben.
Andere Passagen werden (orientiert am Lehrervorbild) zum Üben des lauten Lesens genützt. Besonderer Wert wird hier auf gute Artikulation und die Klanggestalt gelegt.

Persönlicher Bezug und Transfer
Im Transfer geht es um Konfrontation des Gelesenen mit der eigenen Erfahrung, um Feststellung von Übereinstimmungen und Differenzen und - vor allem - um die Entwicklung diesbezüglichen Urteilsvermögens. ... In jedem Fall sollte ein persönlicher Bezug zum Gelesenen hergestellt werden, der auch dann möglich ist, wenn der Text wenig direkte Anknüpfungspunkte bietet." (9)

Vorschläge
Textbeispiele über Kinder im Krieg, werden mit Urteilen der Tiere über die Menschen konfrontiert. (10) (zum Beispiel "Schreckliche Leute: Und sie könnten's so hübsch haben. Sie tauchen wie die Fische, sie laufen wie wir, sie segeln wie die Enten, sie klettern wie die Gämsen und fliegen wie die Adler, und was bringen sie mit ihrer Tüchtigkeit zustande?" - "Kriege!", knurrte der Löwe Alois." (11)
Aussagen des Buches, wie etwa "Wir werden die Welt schon in Ordnung bringen! Wir sind ja schließlich keine Menschen!" (12) werden mit den Vorstellungen der Schüler über Anlässe und Ursachen von Kriegen konfrontiert und in offenen Unterrichtsgesprächen oder Diskussionen erörtert.
Ausgehend von der Aussage des Elefanten Oskar "Ich werde nie begreifen, wie aus so netten Kindern später Erwachsene werden!" (13) wird überlegt, ob sich Erwachsene und Kinder bei uns wirklich so sehr unterscheiden, wie es die Tiere behaupten.
Begründungen für die Punkte des "ewigen Friedesvertrages" werden formuliert und die Möglichkeiten der Durchsetzung werden diskutiert.

Handlungs- und produktions-orientierte Umsetzungen
Die in den letzten Jahren in der Literataturdidaktik stark propagierten kreativen Verfahren im Umgang mit Texten ermöglichen es den Schülern mit möglichst vielen Sinnen einen Zugang zum Text zu finden. Die hier aufgeführten Beispiele lassen sich zum Teil mit der persönlichen Auseinandersetzung der Schüler mit dem Inhalt des Buches verbinden, beziehungsweise bereiten die vorge"stellten Reflexionsmöglichkeiten vor.

Vorschläge
Der Anfang "Am Tschadsee" (S. 5ff) wird als dramatischer Text für ein szenisches Spiel umformuliert.
Reporter interviewen einzelne Tiere in verschiedenen Phasen der Auseinandersetzung.
Aus den Interviews werden Berichte für Zeitungen verfasst.
Zu den einzelnen Phasen der Auseinandersetzung werden Kommentare für Zeitungen geschrieben.
Leserbriefe von Kindern an die Konferenz der Politiker und an die Konferenz der Tiere werden verfasst.
Zu Seite 48 ff wird eine Debatte erfunden, in der Giraffe, Elefant, Löwe, Adler, Fuchs und Eule erörtern, wie sie die Menschen überzeugen können, dass sie sich "für ihre Kinder" vertragen müssen.
Buchpassagen werden mit Kassettenausschnitten verglichen. (14)
Die "entführten Kinder" schreiben Briefe an ihre Eltern.
Textteile werden zu Hörszenen umgearbeitet.
Die Rede von Paul dem Eisbär zur Eröffnung der Konferenz der Tiere wird ausgestaltet und vorgetragen.
Heuschrecken erzählen dem Regenwurm Fridolin vom Verlauf der Konferenz (Ziel: spannend erzählen).
Zu unterschiedlichen Situationen werden weitere Telegramme verfasst.

Sprachbetrachtende Aspekte
Auch wenn Kästners pädagogische und ethische Intentionen von Literaturkritikern mitunter recht kritisch gesehen werden (15), so werden sein Stil und besonders seine humorvollen und witzigen Formulierungen durchgängig als "ausgezeichnete Unterhaltungsliteratur" gelobt. Auch die Konferenz der Tiere bietet hierfür viele Belege.

Vorschläge
Die Einladung zur Konferenz der Tiere "ging" in alle Himmelsrichtungen. "Hunde jagten ..., Hirsche galoppierten..". Für den Unterricht bieten die Seiten 18/19 sehr viele kontextbezogene Beispiele zum Wortfeld "gehen".
Kästners Humor zeigt sich nicht zuletzt in den Namen, die er zum Beispiel den Militärs gibt: "General Zornmüller" und "Admiral Wutmaier". Aber auch die Schimpfwörter, mit denen die Tiere die Menschen belegen zeugen von Kreativität: "Tintenkleckser", "zweibeinige Büroschemel", "Aktenfabrikanten". Diese Beispiele können die Schüler mit Kästners Meinung und Intentionen in Beziehung setzen. Auch können sie sich dazu animieren lassen, weitere zu erfinden.

Fächerübergreifende Aspekte
Das Buch ermöglicht sowohl von der Thematik, wie von der inhaltlichen Gestaltung her vielfältige Querverbindungen zu anderen Fächern

Vorschläge
Angeregt durch die Zeichnungen von Walter Trier lassen sich für den Kunstunterricht Themen stellen, zum Beispiel "Die Tiere fliegen zur Konferenz", "Das Hochhaus der Tiere", Bildsequenz: "Die Tiere vom Nordpol fahren auf einem Eisberg im blauen Meer nach Süden", "5 Kinder von 5 Kontinenten als Ehrengäste auf der Konferenz der Tiere", "Mäuse und Ratten vernichten die Konferenzakten."
1979 zum Internationalen Jahr der Kinder regte die polnische Regierung an, dass die Vereinten Nationen die unverbindliche Erklärung zu den Rechten der Kinder differenzierter fassen und ein "Übereinkommen" formulieren sollten. Ein Übereinkommen ist nämlich verbindliches Völkerrecht. Nach zehnjähriger Arbeit kam es 1989 zum "Übereinkommen über die Rechte des Kindes". Kästners Grundidee findet sich in gewisser Weise in einem internationalen Gesetz wieder. Der Bekanntheitsgrad dieses internationalen Gesetzes ist allerdings noch sehr gering. Es wäre daher gut, wenn möglichst viele das "Übereinkommen über die Rechte des Kindes" kennen würden, auch Kinder.(16) Die Weiterarbeit würde also von Kästners Buch in den sozialkundlichen Fachbereich führen.
Die Ursachen vieler Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts sind Nationalismus und Militarismus. Begründungen für die Punkte im "ewigen Friedensvertrag", lassen sich also auch im Geschichtsunterricht an vielfältigen Beispielen herausarbeiten.
Wie es Kindern im Krieg ergeht wird in mehreren Kinder- und Jugendbüchern sehr beeindruckend erzählt. Parallel zur Erarbeitung der "Konferenz der Tiere" als Klassenlektüre könnten einzelne Schüler diese Werke lesen, über sie berichten und so der Parabel vielfältige akutelle Bezüge, zum Beispiel zum Schicksal von Kindern im Zweiten Weltkrieg oder bei den Kriegen im ehem. Jugoslawien, verschaffen.(17

Abschluss
Die hier angedeuteten Bearbeitungsaspekte sind ein Angebot aus dem je nach Jahrgangsstufe und Interessenlage der Schüler ausgewählt werden sollte. Sehr positiv habe ich häufig als Abschluss der Behandlung eines Jugendbuchs im Unterricht die "Leseleine" erlebt.
Jede Schülerin und jeder Schüler erhalten folgendes Blatt:

Mir hat am Buch "Die Konferenz der Tiere" gefallen ...

Mit hat nicht gefallen ...

Raum für ein Bild vom Buch: "Die Konferenz der Tiere"

Diese Stelle im Buch sollen wir gemeinsam lesen: Seite ...

weil ...

Nachdem die Schülerinnen und Schüler ihre Wahl getroffen haben, werden die Blätter den Seitenzahlen nach geordnet. Zum Abschluss können dann diese gewünschten Textstellen nochmals vorgelesen werden. Es wird über sie gesprochen oder man freut sich gemeinsam an den lustigen Formulierungen oder der lustigen Handlung. Denn es ist "wichtig zu erkennen, dass dieses unmittelbare bedürfnisorientierte Lesen die emotionale Basis aller differenzierten und sublimierten Formen des Lesens darstellt, wenn man so will: das "Unterfutter" eines jeglichen Lesevergnügens, das man weder diskriminieren noch destruieren darf, weil sonst leicht entsteht, was Gerhard Haas den "aufgeklärten Nichtleser" genannt hat. Eine Schule, die den Schülern dieses Vergnügen austreibt, hat ihre leseerzieherische Aufgabe verfehlt."(18)
Bei aller didaktisch-methodischen Aufbereitung seines Kinder und Jugendbuches sollte also die Förderung der Lesefreude nicht zu kurz kommen

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