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Prof. Dr. Hartwig Hummel, 8.12.2008. ein Vortrag im Rahmen des Studium Generale an der Universität Tübingen im WS 2008/09. Video-DVD, 57 Min.
Produktion: wingert-film. ISBN: 978-3-932444-39-5
Das Verhältnis zwischen der Weltpolitik und den Weltkonzernen weist eine lange und wechselhafte Geschichte auf. Nachdem es vor allem in den 1970er Jahren von Misstrauen auf beiden Seiten gekennzeichnet war, vollzog sich im Laufe der 1990er Jahre eine bemerkenswerte Annäherung zwischen den beiden Akteursgruppen. Staaten und von ihnen getragene internationale Organisationen bemühen sich um institutionalisierte Partnerschaften mit Privatunternehmen und der Zivilgesellschaft. Die Weltkonzerne wiederum bekennen sich in großer Zahl zur so genannten „Corporate Social Responsibility“, zur sozialen Verantwortung von Unternehmen, und setzen sich für die politischen und sozialen Menschenrechte, die nachhaltige Entwicklung und die Korruptionsbekämpfung ein.
Die Frage stellt sich nun, ob solche globalen Politiknetzwerke der Privatwirtschaft eine passende Antwort auf die neuen Herausforderungen der Globalisierung und damit einen historischen Fortschritt darstellen oder eher einen Rückschritt hinter erreichte Standards, als eine weitere Konsequenz aus dem neoliberalen roll back einer sozial verantwortlichen Marktwirtschaft und einer aktiven staatlichen Entwicklungspolitik.
Um diese Frage beantworten zu können, wird zunächst der historische Hintergrund der gegenwärtigen Debatte in Erinnerung gerufen. Anschließend werden die beiden derzeit für die weltpolitische Unternehmensverantwortlichkeit wichtigsten Institutionen vorgestellt, der Global Compact der Vereinten Nationen und die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen. Dem folgt eine Analyse dieser beiden Institutionen im Hinblick auf ihre Effektivität und Legitimität. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich Effektivität und Legitimität von privatwirtschaftlicher Weltpolitik, d.h. ihre allgemeine Anerkennung und ihre kollektive Verbindlichkeit, nur durch gleichzeitige Demokratisierung und Verrechtlichung des privaten Engagements herstellen lassen. Da dieser Rahmen aber nach wie vor weitgehend fehlt, agieren privatwirtschaftliche Netzwerke in der Weltpolitik derzeit eher als neokorporatistische Elitenkartelle und können die durch die globalisierungskritischen Bewegungen sichtbar gewordenen Legitimationsprobleme der Globalisierung schwerlich beheben.
Prof. Dr. Hartwig Hummel ist Professor für Europapolitik und Internationale Beziehungen an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Er studierte 1977-1983 Geographie und Politikwissenschaft an der Universität Tübingen. Nach seinem Diplomabschluss arbeitete er zwei Jahre lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten im Deutschen Bundestag in Bonn, wo er sich besonders mit der deutschen Rüstungsexportpolitik befasste. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand seine Dissertation, in der er aus friedensanalytischer Perspektive die deutsche und die japanische Rüstungsexportkontrollpolitik analysierte. Für die Erstellung dieser Dissertation hielt er sich knapp zwei Jahre lang in Japan (Universität Tokyo) auf.
Nach der Promotion zum Dr. rer. soc. im Fach Politikwissenschaft an der Universität Tübingen im Jahr 1991 arbeitete er bis 1993 zunächst an der Universität Duisburg, anschließend bis 2001 an der Technischen Universität Braunschweig. 1995 lehrte er als Visiting Professor an der University of California in San Diego (USA). In Braunschweig habilitierte er sich 1999 in Politikwissenschaft mit einer Arbeit zum Thema “Der neue Westen. Der Handelskonflikt zwischen den USA und Japan und die Integration der westlichen Gemeinschaft“. Im Jahr 2001/02 vertrat Hartwig Hummel die Professur in Düsseldorf, auf die er schließlich auch berufen wurde. In den Wintersemestern 2004/05 und 2007/08 lehrte er als Gastdozent an der Karl-Universität in Prag deutsche Außenpolitik.
Zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten von Hartwig Hummel gehören neben der Friedens- und Konfliktforschung und der deutschen und europäischen Außenpolitik auch Fragen der Internationalen Politischen Ökonomie und der Global Governance, darunter insbesondere die weltpolitische Rolle von privatwirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Zu letzterem Forschungsschwerpunkt hat er in Kooperation mit der Stiftung Entwicklung und Frieden die beiden Sammelbände „Die Privatisierung der Weltpolitik“ (2001) und „Unternehmen in der Weltpolitik“ (2004) mit herausgegeben. Weitere Publikationen zu diesem Themenbereich befassen sich u.a. mit dem „Washington Konsens“, dem „Global Compact“, der japanischen Außenhandelspolitik und der regionalen Integration in Ostasien.