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Fächer: Sozialkunde, Religion, Ethik, Erdkunde, Biologie
Themenbereich: Bevölkerungsentwicklung
Zeitbedarf: 45 Min.
Methodenbereich: Ursachen analysieren
Benötigte Materialien: keine
Vorbereitungen: keine
Einstieg: M 2 vorlesen
Vorstellung der Vorgehensweise: Spinnwebanalyse erklären
Durchführung: Gruppenarbeit, Klasse
Schluss: Wo sind die Ansatzpunkte, Ursachen zu beeinflussen?
Während die Bevölkerung in der Dritten Welt mehr oder weniger schnell zunimmt, stagniert die Bevölkerungsentwicklung in den Industrieländern. Diese Entwicklung wird oft mit Begriffen wie "Bevölkerungsexplosion", "Übervölkerung", "gelbe Gefahr" u.ä. belegt. Damit wird vor allem auf eine (angenommene) Gefährdung der Lebenssituation in den Industrieländern hingewiesen. Mit Hilfe einer "Spinnwebanalyse" können die Ursachen der Bevölkerungsentwicklung erforscht werden. Sinnvoll ist es dabei, zwei Ausgangspunkte zu wählen: die Situation in den Ländern des Südens und die Situation in den Ländern des Nordens.
So entsteht ein Ursachengeflecht, das vielfältige Querverbindungen aufweist und auch einige - der Hauptursachen benennt. Da es sich um eine Gruppenaufgabe handelt, muss sich die Arbeitsgruppe immer wieder einigen, welche Aussagen festgehalten und wie sie bewertet werden sollen. Die Spinnwebanalyse ist jedoch so offen angelegt, dass vielfältige Meinungen auch nebeneinander stehen und als Gedankenstränge weiterverfolgt werden können.
Diese Methode erlaubt eine selbständige Analysearbeit der SchülerInnen.
Die Gruppen stellen ihre Analyse der gesamten Klasse vor. Gemeinsam wird überlegt, ob alle Dimensionen berücksichtigt wurden, was fehlt usw. (vgl. M 1). Interessant ist es auch, nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Arbeitsgruppenergebnisse zu fragen. Danach werden Ansatzpunkte, die ein Eingreifen von Einzelnen, Gruppen oder Institutionen ermöglichen, gesucht und auf den Analysebögen farbig vermerkt.
Die Ursachen des Wachstums sind äußerst komplexer und vielfältiger Natur:
Walter Michler: Afrika. Wege in die Zukunft. Aachen 1995, S. 76.
Heute leben 6,6 Milliarden Menschen auf unserem kleinen Planeten. Jede Sekunde kommen (statistisch gesehen) 2,6 Artgenossen hinzu: 9.277 in jeder Stunde, 81 Millionen im Jahr. Das heißt: ca. alle 14 Jahre vermehrt sich die Menschheit um eine Milliarde.
Die erste Milliarde erreichte die Weltbevölkerung im Jahr 1804. Bis 1900 lebten noch 1,6 Milliarden Menschen auf der Erde. Im Jahr 1927 waren es zwei Milliarden, 33 Jahre später drei Milliarden. 1974 wurden vier und schon 1987 fünf Milliarden Menschen gezählt. Im Jahr 1999 überschritt die Weltbevölkerung die Sechs-Milliarden-Grenze. Damit hat sich die Weltbevölkerungszahl im 20. Jahrhundert nahezu vervierfacht – ein in der Geschichte der Menschheit einmaliger Vorgang. Das Bevölkerungswachstum findet zukünftig ausschließlich in den Entwicklungsländern statt.
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: www.dsw-online.de
Die Erste Welt zieht sich (...) nicht aus der Dritten Welt zurück, sondern suggeriert vielmehr, dass man es dort mit einer überflüssigen Bevölkerung zu tun habe. Die Entwicklung der Technik, die Struktur des modernen Kapitalismus gestatten es gar nicht mehr, die Weltbevölkerung insgesamt auszubeuten. Deshalb gilt jener Bevölkerungsanteil, der nicht mehr ausgebeutet werden kann, als "Überbevölkerung", die eigentlich nicht existieren sollte, aber nun mal da ist.
Norbert Arntz / Franz J. Hinkelammert: Die Bevölkerung der Dritten Welt ist heute überflüssig geworden. In: Frankfurter Rundschau, 2. 9. 1994.
Die folgenden Argumente sollten auf ihre Stichhaltigkeit geprüft werden.
Ernährung: Die Produktion von Nahrungsmitteln kann mit der Zunahme der Bevölkerung nicht Schritt halten. Die Erde kann nicht mehr Menschen ernähren. Das Maximum ist erreicht.
Entwicklung: Ein hohes Bevölkerungswachstum bringt Nachteile für die Entwicklung der Länder der Dritten Welt mit sich. Eine wachsende Bevölkerung führt bei niedrigem wirtschaftlichem Wachstum oder bei Stagnation zu einem sinkenden Pro-Kopf-Einkommen.
Umwelt: Eine hohe Bevölkerungszahl ist wesentlich verantwortlich für zahlreiche Umweltprobleme wie Desertifikation, Entwaldung durch Brennholzeinschlag, Wassermangel/-verschmutzung.
Konflikte/Kriege: Das Bevölkerungswachstum ist eine potentielle Ursache für internationale Konflikte und Kriege, denn Völker suchen sich neuen Lebensraum.
Nationale Interessen: Hohe Geburtenzahlen anderer Gruppen sind eine Bedrohung für das Überleben des eigenen Volkes, zumal dann, wenn die eigene Bevölkerungszahl rückläufig ist.
Zur Diskussion dieser Thesen siehe: Ralf Bendrath: Die Diskussion um die "Überbevölkerung". Arbeitspapiere der Schweizerischen Friedensstiftung Nr. 19. Bern 1994.
Wir reden leichthin von Überbevölkerung. Aber kein Mensch spricht davon, dass jedes Kind im Norden zwanzigmal soviel wie ein Kind im Süden verbraucht. Hans-Peter Dürr, Leiter des Werner-Heisenberg-Institutes in München. Zitiert nach: EKI-Heft Nr. 11/1994, S. 7.
Birg, Herwig: Die Weltbevölkerung. München 1996
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (Hrsg.): Weltbevölkerungsbericht 2007. Urbanisierung als Chance: Das Potenzial wachsender Städte nutzen. Stuttgart 2007
Haupt, Arthur /Thomas T. Kane: Handbuch Weltbevölkerung. Begriffe, Fakten, Konzepte. Stuttgart 1999
Leisinger, Klaus M.: Die sechste Milliarde. Weltbevölkerung und nachhaltige Entwicklung. München 1999.
Münz, Rainer / Albert F. Reiterer: Wie schnell wächst die Zahl der Menschen? Weltbevölkerung und weltweite Migration. Frankfurt/M. 2007
Weltbank (Hrsg.) Weltentwicklungsbericht 2007. Entwicklung und die nächste Generation. Bonn 2007
Worldwatch Institute (Hrsg.): Wie viel ist zu viel. 19 Dimensionen der Bevölkerungs-Entwicklung. Stuttgart 2000.
Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: www.weltbevoelkerung.de
Auszug aus dem Buch:
Günther Gugel, Vertretungsstunden mit Pfiff.
Anregungen für einen handlungsorientierten Unterricht zum Themenbereich
"Eine Welt" in den Sekundarstufen.
Institut für Friedenspädagogik, Tübingen 2008.