Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Das Bleistiftspiel

Didaktische Hinweise

Fächer: Sozialkunde, Politik, Religion
Themenbereich: Welthandel
Zeitbedarf: 45 Min. oder länger
Methodenbereich: Simulationsspiele
Benötigte Materialien: Bleistifftspitzer, Bleistifte, Papier
Vorbereitungen: keine

Verlaufsskizze

Einstieg: Ungleichgewicht der Staaten in der Weltwirtschaft
Vorstellung der Vorgehensweise: Spiel erklären
Durchführung: Gruppen, Klasse
Schluss: Rolle der Dritten Welt im Welthandel?

In der internationalen Politik ist es ebenso wie in der Gesellschaft oder in Gruppen notwendig, sich bei bestimmten Fragen zu einigen. Dieser Verhandlungs- und Einigungsprozess ist oft mühsam und schwierig. Das Bleistiftspiel gibt die Möglichkeit, einige der Probleme von Verhandlungen am Beispiel Weltwirtschaft zu erfahren. Die TeilnehmerInnen werden in Gruppen zu 3-5 Personen aufgeteilt. Jeweils drei Gruppen sind am Spielprozess beteiligt, verhandeln also miteinander. Das Spiel kann jedoch gleichzeitig von zwei oder drei mal drei Untergruppen gespielt werden.

Vorgehensweise

Es ist auch möglich, dass eine gemeinsame Gesprächsrunde von GruppenvertreterInnen durchgeführt wird. 

Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Fahrplan zum Seminar "Europäischer Binnenmarkt 1992". Bonn 1989.

Auswertung

Zur Auswertung des Spiels auf der Spielebene vgl. M 1.

M 1: Auswertungshilfe für Entscheidungsspiele

Vgl. Herbert Gudjons: Spielbuch Interaktionserziehung. 180 Spiele und Übungen zum Gruppentraining in Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung. Bad Heilbrunn/Obb. 1983, S. 196 f.

M 2: Niedrige Löhne als Triebkraft

Häufig wird vermutet, niedrige Löhne seien die wesentliche Trieb kraft des Welthandels und zentral für die Standortentscheidungen multinationaler Unternehmen. Hinter dieser Argumentation verbirgt sich die Furcht mancher Beobachter aus den Industrieländern vor den neuen Konkurrenten aus dem Süden. Wenn die »Billiglohnhypothese« stimmte, müssten Bangladesh, afrikanische Staaten wie Mali und lateinamerikanische Länder wie Guatemala wichtige oder zumin dest aufstrebende Akteure des Welthandels und Anziehungspunkte für Direktinvestitionen großer Unternehmer sein. Doch die größten Handelsnationen in der Weltwirtschaft (wie die USA, Deutschland, Japan, Frankreich) sind weiterhin die Ökonomien, in denen hohe Löhne gezahlt werden. Auch der Strom der Investitionen global agierender Unternehmen lässt sich mit dem Niedrigstlohn-Argument kaum erklären. Etwa drei Viertel der weltweiten Direktinvestitionen, deren Gesamtniveau im Jahr 2000 circa 440 Milliarden US-Dollar betrug, werden in den OECD-Ländern – also den Hochlohnländern – getätigt. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts entfielen nur 1,5 Prozent der Direktinvestitionen auf Afrika. Die Niedriglohn-Argumentation vernachlässigt die nationalen Unterschiede in der Arbeitsproduktivität. Es sind die Länder mit hoher Arbeitsproduk tivität und hohen Löhnen (die OECD-Länder) oder Ökonomien mit rasch steigender Arbeitsproduktivität und zumeist ebenso schnell steigenden Löhnen (wie in den siebziger bis neunziger Jahren die ostasiatischen Schwellenländer), die die Dynamik des Welthandels und der Direktinvestitionen antreiben. 

Dirk Messner: Armut und Reichtum in der Welt. 

http://www.bpb.de/publikationen/OCO6DR,0,Armut_und_Reichtum_in_der_Welt.html

M 3: Umbruch in der Weltwirtschaft

Es vollzieht sich ein Umbruch in der Weltwirtschaft mit weitreichenden Konsequenzen. Als Referenzpunkte (...) seien hier drei Dimensionen dieses Wandels hervorgehoben:

  1. die Aufwertung der Informationsverarbeitung gegenüber der Materialbearbeitung als Gegenstand des Wirtschaftens (technologische Dimension);
  2. die Herausbildung globaler Kommunikationsnetze (sozio-kulturelle Dimension) und
  3. der Wandel der Arbeit (sozio-ökonomische Dimension). (...)

Es geht um den Beginn einer De-Industrialisierung, um den Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft. Im Jahre 2020 werden weltweit nur noch 2 % der Arbeitsbevölkerung im industriellen Sektor beschäftigt sein. (...)
Die Informationsökonomie kommt mit sehr viel weniger Arbeitskräften aus als die Materialökonomie. Dafür wachsen die Anforderungen an die Fähigkeiten der Arbeitenden. Zwanzig Prozent der Arbeitsbevölkerung werden in Zukunft als (überbeschäftigte) Intelligenz-Arbeiter tätig sein; 80 % werden teilzeitbeschäftigt, wenn nicht unterbeschäftigt oder arbeitslos sein. (...)
Das Ergebnis ist, dass die Zweidrittelgesellschaft, die entwicklungspolitische Aktionsgruppen bisher in der Dritten Welt vermuteten, sich global ausbreitet.
Lothar Brock: Historische Ausgliederung? Die Dritte Welt im Umbruch der Weltwirtschaft. In: E+Z, 1995, Heft 4, S. 110 f.

Literaturhinweise

Stiglitz, Joseph E. / Andrew Charlton: Fair Trade. Agenda für einen fairen Welthandel. Hamburg 2006.

Windfuhr, Michael: Zum Beispiel Welthandel. Göttingen 2002.

www.transfair.org

www.forum-fairer-handel.de

Welthandelsorganisation: www.wto.org

Hinweis
Das "Bleistiftspiel" kann auch unter dem Namen "Das Spiel der Großen im Kleinen" bei BROT FÜR DIE WELT bezogen werden.

Auszug aus dem Buch:
Günther Gugel, Vertretungsstunden mit Pfiff.
Anregungen für einen handlungsorientierten Unterricht zum Themenbereich "Eine Welt" in den Sekundarstufen.

Institut für Friedenspädagogik, Tübingen 2008.

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