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November 2003: Die Generalversammlung der Vereinten Nationen stimmte geschlossen für eine Waffenruhe während der Olympischen Spiele vom 13. bis 29. August 2004 in Athen.
Griechenlands Außenminister George Papandreou erklärte dem Plenum, dass sich Griechenland als Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2004 verantwortlich fühle, die Olympischen Ideale zu propagieren. „Wir hoffen, dass Athen im kommenden Sommer ein Leuchtfeuer des Friedens sein wird“, sagte der Minister. „Lasst uns von dieser internationalen Einrichtung des Friedens eine symbolische Botschaft für friedvolle Spiele und letztlich eine friedlichere Welt senden.“
Die UN-Vollversammlung hatte 1993 erstmals mit einer Resolution zur globalen Waffenruhe während der Olympischen Spiele aufgerufen. Der Brauch ist in der als „Ekecheiria“ bekannten griechischen Tradition aus dem achten Jahrhundert vor Christi Geburt verwurzelt und sollte Sportlern ermöglichen, unversehrt zur Teilnahme an den Olympischen Spielen reisen zu können. Während der Wettkämpfe herrschte jeweils Waffenruhe, die ursprünglich etwa einen Monat andauerte, später aber auf eine Zeit von bis zu drei Monaten ausgedehnt wurde. Während dieser Tage konnten sich die Zuschauer, Würdenträger und Sportler ungestört auf den Weg nach Olympia machen, selbst wenn ihr Weg durch das Gebiet eines Staates führte, der mit dem eigenen im Krieg lag.
Dieses Gebot wurde von der gesamten griechischen Welt geachtet.
Um diese Tradition aktuell und weltweit weiterentwickeln zu können, wurde im Juli 2000 in Athen das „Internationale Zentrum
für Olympische Waffenruhe“ gegründet. In der Milleniums-Erklärung der Vereinten Nationen vom 8. September 2000 heißt es zudem: „Wir fordern die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, einzeln und gemeinsam heute und in Zukunft die Olympische Waffenruhe einzuhalten und das Internationale Olympische Komitee bei seinen Bemühungen um die Förderung des Friedens und der Verständigung zwischen den Menschen durch den Sport und das olympische Ideal zu unterstützen.“
Diese Initiativen waren notwendig geworden, weil vor den Winterspielen 2002 in Salt Lake City die USA eine olympische Waffenruhe abgelehnt hatten. Hintergrund waren die Terroranschläge des 11. September 2001 und der folgende „Krieg gegen den Terror“, den
die USA nicht behindert wissen wollten. Damals grenzte der amerikanische Außenminister Colin Powell die olympische Friedensvision dramatisch ein: „Unser Aufruf zum Olympischen Frieden kann keinen Waffenstillstand garantieren, sondern nur vor Ort und für den Transport gelten“.
Brot für die Welt / Nationales Olympisches Komitee / Deutsche UNESCO-Kommission (Hrsg.): Fair Play for Fair Life 2004. Stuttgart 2004
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Einschätzung „Die Friedensbotschaft und der Versuch, die Waffen wenigstens für 16 Tage ruhen zu lassen, ist friedenspolitisch in dreifacher Hinsicht höchst relevant. Zum Einen gäbe sie den in Kriegsregionen lebenden Menschen wenigstens einmal eine kurze Gelegenheit, keine Angst haben zu müssen, einmal wieder ruhig schlafen zu können. Zum Zweiten machte sie den im Krieg lebenden Gemeinschaften deutlich, dass friedliche Ko-Existenz möglich ist und dass es Alternativen gibt. Zum Dritten brächte sie eine Übereinstimmung zwischen den Kriegsparteien hinsichtlich wichtiger Werte zum Ausdruck, die ein Anknüpfungspunkt für eine weitere gemeinsame Normentwicklung bedeuten könnte. Zentral ist in diesem Zusammenhang aber, dass sich nicht nur die Staaten auf diese Waffenruhe verpflichten. Denn heute muss mehr als jemals zuvor gelten, dass die völkerrechtliche Norm des Gewaltverzichts auch gesellschaftliche Akteure umfasst.
Der Aufruf bietet deshalb die Chance, mit warlords und Terroristengruppen in Kontakt zu treten und sie – vielleicht zum ersten Mal – auf eine transnationale Norm zu verpflichten. Was würde Osama bin Laden wohl darauf antworten? Dr. Thomas Nielebock ist Friedensforscher an der Universität Tübingen. |