Home / Themen / Fair Play / Sport und Gewal... / Gewaltprävention im Fußballverein
Es lässt sich nicht leugnen, dass auch der Fußball-Sport mit Erscheinungen von Gewalt konfrontiert wird. Für den Fußball-Verband Mittelrhein (FVM) Anlass, eine gezielte Kampagne ins Leben zu rufen, die Wolfgang Watzke im folgenden Beitrag beschreibt.
"Gewalt ist für uns kein Thema. - Es passiert nur etwas in Ballungsgebieten mit hoher Beteiligung von Ausländern." Solche und ähnliche Entgegnungen sind zu hören, wenn es um die Frage geht: Hat sich der Jugendfußball dem Thema Gewalt zu stellen? Diese Auffassung wird dem Grunde nach gestützt durch einen Blick in die Statistiken. Tausenden von Jugendspielen pro Jahr in einem Fußballkreis stehen ein bis zwei Dutzend Verhandlungen vor Rechtsorganen gegenüber, bei denen es um Entgleisungen geht. Dies ist wahrlich eine niedrige Zahl.
Kann die Problematik deswegen vernachlässigt werden? Nein - so meinten im Fußball-Verband Mittelrhein die Jugendvertreter, die im Frühjahr 1998 zu einer großen Podiumsdiskussion zusammenkamen. Dabei kam eine Umfrage aus einem Gruppenhelferkurs des Jahres 1997 auf den Tisch. 46 Mädchen und Jungen gaben an, wo sie Gewalt bereits erlebt hatten: 17 durch Verhalten von Trainern und Betreuern; 21 innerhalb der eigenen Mannschaft; 26 provoziert durch Eltern oder Zuschauer; 29 als Ursache einer Schiedsrichter-Entscheidung; 32 zwischen zwei Mannschaften; 37 mit Beteiligung ausländischer Spieler.
Dabei ging es uns nicht um das Detail - ausschlaggebend war die Größenordnung, die sehr erheblich ist. Eindeutig ergab sich, dass Handlungsbedarf besteht. So entschied sich der Jugendausschuss des FVM für eine Selbstverpflichtungskampagne, die vom Präsidium des Verbandes tatkräftig unterstützt wird.
Ausgehend davon, dass die überwiegende Anzahl der Spieler, Trainer und Betreuer vernünftig miteinander umgeht, haben wir gesagt: Dies ist unser Kapital - darauf bauen wir auf. Wir nehmen uns noch mehr in die Pflicht ("Hennefer Erklärung") und bekennen uns zum Gedanken des aktiven Eingreifens getreu der These: Wer sich nur heraushält, lässt die anderen allein.
Das Motto war auch schnell geboren: "Friedlich miteinander; Der Gewalt die Rote Karte" symbolisiert durch unsere FVM-Männchen, die aus einem gemeinsamen Glas trinken.
Die Idee: Jeder, der die Selbstverpflichtung an den FVM schickt, erhält ein Schreiben mit weiteren Erklärungen zum Verteilen sowie einen Sticker, der nach außen hin das Bekenntnis unterstreicht. Für die Viel-Werber gibt es als Dankeschön eine Aktions-Telefonkarte mit der Bitte, weiterhin zur Sache zu stehen und die Dinge voranzutreiben.
Fast 1.000 Selbstverpflichtungen sind bis heute zurück, das sind eine pro Verein - statistisch gesehen schon viel, aber erst der Anfang. Spitzenreiter als Verein ist der SSV Süng, mit einigem Abstand gleichauf gefolgt von BW Hand, SSV Happerschoß und TV Herkenrath - alles kleine Vereine mit beachtlicher Jugendarbeit.
An dieser Stelle ist genau das eingetreten, was die Initiatoren sich erhofft haben: Durch das Schneeballsystem der Einzelansprache ist ein beachtliches Potential gegeben, nun auch die Spieler und Zuschauer zu erreichen. Ob die Hoffnung sich erfüllt, dass von diesen Multiplikatoren auch Impulse in andere Vereine hineingegeben werden, bleibt abzuwarten.
Doch ein Ausblick sei gestattet: Eine Kampagne, die auf Einzelansprachen konzipiert ist, wird keinen Hau-ruck-Erfolg erzielen. Wir möchten vielmehr im Laufe der nächsten Jahre Schritt für Schritt weiterkommen und die Menschen zu gemeinsamem Handeln anregen. Merke: Nur der Einzelne kann etwas bewegen, aber viele einzelne machen die Bewegung aus.
DFB-Journal, 3/99