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Jugendarbeit im Sport ist ein Mittel der Gewaltprävention!
Wenngleich der Sport keine Reparaturwerkstatt für gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen sein kann, so hat er doch als Mittel der Gewaltprävention und der sozialen Integration einen hohen Stellenwert. Nahezu jeder zweite Jugendliche bis 18 Jahren ist in Nordrhein-Westfalen im Sportverein eingebunden.
Sportliche Betätigung bietet die Möglichkeit, körperliche Entspannung zu bewirken, seelische Spannungen zu lösen und damit Aggressionen abzubauen. Zudem stärken Erfolgserlebnisse und Lernerfolge im Sport das Selbstbewußtsein sowie das Vertrauen in die eigene Leistungs- und Belastungsfähigkeit.
Eindeutig positiv ist der Sport als Anlaß für soziale Kontakte und Gruppeneinbindung zu beurteilen. Wenn Freizeit gänzlich oder überwiegend in unorganisierten, unstrukturierten Zusammenhängen verbracht wird, kann die Akzeptanz von Gewalt und die Bereitschaft zur Gewaltausübung noch in erheblichem Maße verstärkt werden. Die hauptsächlich auf dem ehrenamtlichen Engagement beruhende Jugendarbeit der Sportvereine bindet Kinder und Jugendliche in eine Normen- und Wertegemeinschaft, kann stabilisierende Einflüsse ausüben und zu einer positiven Persönlichkeitsentwicklung und -stabilisierung junger Menschen beitragen.
Jugendarbeit im Sport handelt gegen Gewalt, die durch den Sport selbst ausgelöst wird!
So selbstbewußt die Jugendarbeit im Sport ihre Kompetenzen in die Gewaltprävention einbringen kann und muß, so selbstkritisch muß sie sich mit Gewalterscheinungen, die sich im Sport selbst zeigen, auseinandersetzen.
Denn natürlich ist der Sport von den allgemeinen Entwicklungen in verschiedenen jugendkulturellen Szenen nicht ausgenommen, und er findet nicht in einem Schonraum statt. Vielmehr ist er eingebettet in eine gesellschaftliche Realität, die Gewalt zunehmend auch auf Sportplätze und an den Rand von Sportveranstaltungen transportiert. Eher sind aber zugleich effektive Chancen zur pädagogischen Intervention, zur direkten Bearbeitung von Gewaltproblemen angelegt.
Das setzt voraus, daß sich der Sport auch als Mitproduzent von Gewalt erkennt, z.B. in Folge einer überzogenen Leistungs- und Konkurrenzbetonung, Kommerzialisierung und Entfremdung zwischen Spielern und Fans sowie einer Einschränkung der Persönlichkeitsrechte von Kindern und Jugendlichen durch Mitarbeiter/innen im Sport. Auf dieser Grundlage müssen vielfältige Handlungsformen gegen Gewalt und Aggression im Sport entwickelt werden.
Weil physische Gewaltanwendung bei männlichen Jugendlichen aller Altersstufen wesentlich stärker ausgeprägt ist als bei weiblichen, ist eine spezifische „Jungenarbeit“ auch im Sport notwendig. Darüber hinaus muß besonders die mädchen- und frauenspezifische Arbeit im Sport durch Unterstützung von Projekten und Maßnahmen zur Gewaltprävention für Mädchen und junge Frauen gefördert werden.
Jugendarbeit im Sport stellt sich der Gewalt von „draußen“!
Die Jugendarbeit im Sport muß verstärkt auf den gewaltorientierten Randbereich der Jugendszene mit einem sozialintegrativen Konzept zugehen, unter anderem durch Maßnahmen und Projekte, und dieser Gruppe eine Stärkung der Akzeptanz, Toleranz und des Selbstwertgefühls vermitteln. Das heißt, Sport muß sich weiter aktiv der Gewalt von „draußen“ stellen und mit bedürfnisgerechten Angeboten reagieren.
Jugendarbeit im Sport ist ein verläßlicher Kooperationspartner gegen Gewalt!
Eine wichtige Handlungsform ist die Kooperation und Vernetzung der Sportorganisationen mit anderen gesellschaftlichen Kräften, die ebenfalls Gewaltprävention und -bekämpfung zum Ziel haben. Wichtige Partner sind die Schule, andere Träger der freien und öffentlichen Jugendhilfe, Wohlfahrtsverbände, Kirchen etc.. Um eine verläßliche Kooperation müssen sich die Sportjugenden bemühen!
Jugendarbeit im Sport ist gelebte Demokratie!
Gewalt und Aggression sind häufig auch Ausdruck mangelnder Beachtung der Probleme junger Menschen. Jugendlichen, die ihren Frust über das Fehlen von Werten, Orientierung und Perspektiven sowie über die soziale Situation hinausschreien, muß geholfen werden. Viele sind weder Faschisten noch Terroristen. Sie können es aber werden, wenn ihnen diese Gesellschaft Anerkennung und Geborgenheit versagt.
Mitbestimmung, Mitgestaltung und Mitverantwortung der Kinder und Jugendlichen in den demokratischen Organen der Vereinsjugend müssen daher gelebte Demokratie sein. Dafür gilt es insbesondere die Jugendbildung im Sport zu forcieren, um damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Weiterentwicklung eines demokratischen, sozialen und friedlichen Rechtsstaates zu leisten.
Verabschiedet durch den Vorstand der Sportjugend Nordrhein-Westfalen am 21.03.1995