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Fair Play als Rechtfertigungskategorie?
Das Fair play, dies legen unsere Ergebnisse nahe, entartet gegenwärtig zu einer Rechtfertigungskategorie, „die kosmetisch den Sport einfärbt“. Sobald - und eben auch erst dann - das Image des Sports durch sogenannte Skandale befleckt wird, kümmern sich die verantwortlichen Sportfunktionäre um dessen Rehabilitation. Mit den Mitteln des Werbemarktes wird dabei eine prächtige Schönfärberei entfaltet, wobei man mit der Individualisierung des Dopingproblems oder der Unfairneß zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Zum einen geraten die strukturellen Bedingungen und Systemzwänge unfairen Verhaltens nicht in den Blick. So kann man trefflich von der eigenen Verantwortung ablenken. Zum anderen kann man so weiterhin und ohne die erforderlichen strukturellen Änderungen durchführen zu müssen, nach außen hin das Bild des sauberen, fairen Sports verkaufen, zumindest das Bild einer Sportorganisation und ihrer Sponsoren, die alles tun, um den Sport sauber und glaubwürdig und damit attraktiv, sprich vermarktbar, zu erhalten.
Gunter A. Pilz: Gewalt im, um und durch den Sport. In: Klaus Hurrelmann u.a. (Hrsg.): Anti-Gewalt-Report. Weinheim und Basel 1995, S. 121ff.