Home / Themen / Globales Lernen / Diskussionsbeit... / Fit für die Globalisierung? Dr. Klaus Seitz
Die Menschheit steht am Beginn des 21. Jahrhunderts vor gewaltigen Herausforderungen. Das Zusammenwachsen der Welt, das mit der Globalisierung einhergeht, kann den Menschen in Ost und West, Nord und Süd neue Perspektiven für internationale Zusammenarbeit, grenzüberschreitenden Austausch, wechselseitiges Lernen und wirtschaftlichen Wohlstand eröffnen. Doch gleichzeitig birgt die Globalisierung auch große Risiken. Neben der anhaltenden Gefährdung des Weltfriedens sind es vor allem zwei bedrohliche Entwicklungstendenzen, die als die drängendsten Probleme unserer Zeit betrachtet werden müssen: die zunehmende Ungleichheit zwischen Völkern und innerhalb von Völkern und die fortschreitende Schädigung der Ökosysteme, von denen unser Wohlergehen abhängt. Von dieser Einschätzung geht jedenfalls das Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert aus, die Agenda 21, die die Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 verabschiedet hat. Um diesen globalen Gefahren Einhalt zu gebieten, haben die Staaten der Welt beschlossen, ihre Gesamtpolitik am neuen Leitbild einer nachhaltigen und partnerschaftlichen Entwicklung auszurichten. Dieses Leitbild und dieses Aktionsprogramm haben nach wie vor Gültigkeit und harren der Umsetzung.
Auch im Unterricht an Schulen und Hochschulen, in der Lehrerbildung, der Erwachsenenbildung und in der Jugendarbeit soll das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung als Querschnittsthema verankert werden. Denn Bildung ist der Schlüssel für eine gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft, für eine Globalisierung mit menschlichem Antlitz.
Doch leider haben die Bildungspolitiker ebenso wie die Schulen in unserem Land noch viel zu wenig dafür getan, den Auftrag einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung tatsächlich mit Leben zu füllen. Ermutigende Modellprojekte wurden zwar auf den Weg gebracht von einer grundlegenden Neuorientierung unseres Bildungswesens angesichts der globalen Herausforderungen kann jedoch noch keine Rede sein. Leider hat sich auch noch nicht überall herumgesprochen, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung nicht allein mit ökologischen Themen wie Klimawandel oder Artensterben zu tun hat, sondern auch die Auseinandersetzung mit den Ursachen der weltweiten Ungleichheit und den Perspektiven für eine Überwindung der Kluft zwischen Reich und Arm umfassen muss.
Was Not tut ist eine Bildungswende hin zu einer weltoffenen und zukunftsorientierten Schule, in der sich die Vision einer Globalisierung mit menschlichem Antlitz nicht nur in den Unterrichtsthemen, sondern auch in der Lernkultur und im Schulleben widerspiegelt.
Denn Weltoffenheit meint mehr als das Erlernen von Fremdsprachen; und Zukunftsorientierung erschöpft sich nicht in Umweltbildung oder Gemeinschaftskunde.
Die Schule muss die nachwachsende Generation auf eine ungewisse Zukunft vorbereiten und sie dazu ermutigen und befähigen, an der Gestaltung einer weltweit verflochtenen und multikulturellen Gesellschaft aktiv und verantwortungsbewusst mitzuwirken. Die in den letzten Shell-Jugendberichten belegte Tendenz, dass die politische und soziale Engagementbereitschaft Jugendlicher weiter zurückgeht, ist vor diesem Hintergrund höchst beunruhigend. Und eine aktuelle internationale Vergleichsstudie (die civic education Studie) lässt befürchten, dass die international gesehen schwach entwickelte politische Handlungs- und Urteilskompetenz deutscher Schüler/innen mit einigen elementaren Webfehlern unseres deutschen Schulsystems zusammenhängt.
Unsere Schulen sind längst noch nicht fit für die Globalisierung oder?
Klaus Seitz, Forumsbeitrag vom 13.02.2003 für den Kongress "Globales Lernen" in Baden-Württemberg.