Home / Themen / Kriegs- und Gew... / Unsicherheiten... / Wo liegen die Problembereiche von Kriegs- und Gewaltspielzeug?
Drei Meinungen:
Drei Ebenen sind in diesen Aussagen angesprochen: die Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder und die Realitätssicht der Kinder. Wenn die Zitate stimmen, hieße dies dann, daß es gleichgültig ist, womit Kinder spielen? Oder, daß zumindest die Wirkung, die Kriegsspielzeug zugeschrieben wird, bei weitem überschätzt wird?
Kriegsspielzeug weist auf mehrere Problembereiche hin:
- Auf die Frage, nach welchen Kriterien Spielzeug für Kinder als geeignet oder gar als "gutes" Spielzeug einzustufen ist, und wie Kinder dies sehen.
- Auf die Befürchtungen, Phantasien und Ängste der Eltern und ErzieherInnen, die mit Gewaltspielzeug offensichtlich anderes verbinden als Kinder.
Es wäre also zu fragen, wo bei der Auseinandersetzung mit Gewaltspielzeug die eigenen Ängste im Vordergrund stehen und wo das Kind als eigenständige Person ins Blickfeld tritt?
("Eigentlich bin ich hergekommen, um zu erfahren, was ich machen kann, wenn ein Kind mit einer Pistole in den Kindergarten kommt. Nun habe ich gemerkt, daß das Thema viel weiter ist, und auch mit mir zu tun hat", stellt eine Teilnehmerin eines Fortbildungsseminars fest.)
- Auf die Frage, welche Wirkung solches Spielzeug zeitigt.
Es wäre also zu ergründen, wo die Übergänge und Bruchstellen vom Spielerischen zum Ernsthaften sind und wie diese aussehen? ("Die Pistole bei einem Kind macht mir Angst, weil es mich an Verletzen und Töten erinnert", berichtet eine Erzieherin.)
- Auf die Frage, ob kindliche Aggression (oder späteres aggressives Verhalten) in irgendeinem Zusammehang mit diesem Spielzeug steht.
Die Frage ist also, welche Entstehungsbedingungen zu aggressivem und gewalttätigem Verhalten führen und welche Rolle dabei die kindliche Medienwelt spielt?
- Auf geschlechtsspezifisches Spielverhalten von Jungen und Mädchen.
Welche Formen der aggressiven Auseinandersetzung haben Mädchen? Wie reagieren diese auf Gewalt und Gewaltspiele?
- Auf die Existenz von Militär und realer Gewalt und deren gezielter Zur-Schau-Stellung.
Hier wäre zu klären, ob eine "Abrüstung" nur im Kinderzimmer erwünscht ist, oder das Interesse und Engagement alle Formen der Gewalt meint.
- Auf vielfältige sinngleiche Einflüße, im Bereich der Kinderkultur wie "Heftchen", Comics, Cassetten, Video, Videospiele, Computerspiele, T-Shirts usw. und der Rüstungskultur, wie Militärparaden, Militärausstellungen, Kriegerdenkmäler, Truppenbesuche usw.
Es müßte also geklärt werden, was "Gewaltspielzeug" ist und wie dies in Zusammehang mit der in der Gesellschaft anzutreffenden realen Gewalt steht. Ein Kernproblem des Gewaltspielzeugs ist das Überangebot sinngleicher Einflüsse auf allen Ebenen.
- Auf den Aspekt, wie man in der eigenen Kindheit mit solchem Spielzeug umgegangen ist und wie dies heute bewertet wird? (Eine Erzieherin berichtet, daß sie früher selbst eine Pistole hatte und sich dadurch zugehörig zu anderen fühlte. Eine andere Erzieherin berichtet, daß sie als Kind einen Frosch zerlegt (seziert) hätte und dies, so grausam es im Rückblick erscheine, für sie eine wichtige Erfahrung gewesen sei.).