Home / Themen / Kriegs- und Gew... / Warum spielen K... / Kindliche Trennungserfahrungen
Beobachtungen an Kindern, die in Spieltherapien exzessiv mit Kriegsspielzeug spielten, ergaben, daß in ihrer Lebensgeschichte extreme Trennungserlebnisse nachzuweisen waren: entweder dadurch, daß sie in bestimmten Situationen von ihren Eltern verlassen wurden, längere Krankenhausaufenthalte hinnehmen mußten, oder daß sie direkt nach der Geburt zu fremden Menschen gegeben wurden (vgl. Chr. Büttner 1983, 254).
Untersuchungen von A. Freud und D. Burlingham während des Zweiten Weltkrieges an Kindern in einem Londoner Kriegskinderheim haben bestätigt, daß Gefühlsreaktionen auf tatsächliche Kriegserlebnisse weniger bedeutsam waren als die gefühlsbetonten Erfahrungen mit der Trennungssituation. Kinder, die Bombenangriffe als fast tägliches Ereignis erlebten, waren ruhiger und gefaßter, wenn ein Elternteil bei ihnen war (vgl. Chr. Büttner 1984, 259.
Trennungserfahrungen erscheinen für Kinder wesentlich traumatischer als tatsächliche Bedrohungen. Kinder besitzen in diesem Alter noch nicht die ausgereiften Verarbeitungsmöglichkeiten von Erwachsenen, um auf diese Erfahrungen ohne Einbuße ihrer psychischen Stabilität zu reagieren. Die Reaktion auf solche Erfahrungen ist entweder die Manifestation in eine schwere körperliche Krankheit oder die Abspaltung in archaische Wut (vgl. Chr. Büttner 1983, 254f.).
In spieltherapeutischen Stunden können Kinder, die im Kriegsspiel Tod und Leben, Existenz und Nichtexistenz versinnbildlichen, ihre Wut auf ihre Lebensverhältnisse in der sicheren Beziehung zum Spieltherapeuten entledigen. Mit der Abnahme des Kriegsspiels und der Zuwendung zu kreativeren Spielformen konnte beobachtet werden, daß sich die kindliche Wut viel stärker an den realen Verhältnissen ausdrückte (vgl. Chr. Büttner 1983, 255f.).
Kinder spielen, wenn sie Krieg spielen, keine bewußt erlebte "Kriegsrealität" nach. Das veranlaßt Chr. Büttner zu der These, daß bei kriegsspielenden Kindern "das Maß an Unfrieden vorhanden sein muß, das sie zwingt, sich vorgegebene Klischees und Symbole zu suchen, in die ihre Gefühle des Unfriedens hineinpassen" (Chr. Büttner 1984, 23).