Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Spiegel der Erwachsenenwelt

Kinder spielen zwar Krieg, Überfall, Raub und Mord, aber diese Spiele sind nicht ihre Erfindung, sondern ein Spiegel unserer Erwachsenenwelt, mit der sie durch das Fernsehen, Zeitungen und Gespräche in Berührung kommen und die sie mehr oder weniger beschäftigt und beeindruckt. Wenn wir den Kindern kritiklos Filme bieten, in denen die "Helden" aus der Hüfte schießen und damit alle Probleme lösen, sollten wir uns nicht entsetzen, wenn sie sich mit diesen "Helden" identifizieren und in ihren Spielen unbequeme Widersacher - einschließlich der Eltern - auch durch "Umlegen" aus der Welt zus chaffen versuchen. Sich nur zu entrüsten ist pure Heuchelei. Wichtiger wäre es, zu beobachten und zu überlegen, woher das Interesse an Waffen stammt, was damit gespielt wird, wie stark das Kind sich engagiert und womit es sich identifziert. Die Gründe für die Waffenwünsche und das beunruhigende Spielverhalten können nämlich sehr verschieden sein: In der Nähe von Truppenübungsplätzen wird zum Beispiel mehr "Kriegsspielzeug" gekauft als anderswo. panzerwagenund GEschütze gehören dort zur täglichen Umwelt der Kinder und sind für sie natürlich interessanter als VW und Kipplastwagen. Manchmal steckt hinter dem Interesse auch nur das Bedürfnis, von bewaffneten und ständig herumknallenden Freunden nicht mehr gehänselt zuw erden (welches Kind möchte shcon als "Gärtner" auf den Kinderfasching gehen, wenn die Frende als Indianer oder als Sheriff erscheinen?).

Die manchmal wirklich erschreckend gewalttätigen Spiele können aber auch - mit anderen Mitteln - Verhaltensweisen widerspeigeln, wie sie in der Familie des Kindes an der Tagesordnung sind (Streitigkeiten, aggressives Autofahren, Strafen...). Eine vergleichende Untersuchung amerikanischer Vietnam-Freiweilliger und Kriegsdienstverweigerer zeigte deutliche Unterschiede im Familienklima und Erziehungsstil: streng und mit Strafen operierend bei den Freiwilligen, verständnisvoll und gewaltlos bei den Kriegsdienstgegnern.

Lieselotte Pée: Vom Spielen mit Spielzeug. In dem Handbuch "Mit der Schule leben - zwischen 6 und 10". Klett Verlag Stuttgart, 1975

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