Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Symbolismus

Anders als die meisten Erwachsenen besitzen Kinder ein unmittelbares Verständnis für die symbolische Dimension von Dingen und Verrichtungen, ja es scheint manchmal, als leuchte ihnen die symbolische Bedeutung vor der funktionellen ein. Kinder wissen, daß ein Hilzschwert und erst recht ein Kochlöffel eine Waffe nur vorstellen und für ihre Moral so ungefährlich sind wie für die Gesundheit des Nachbarskinds, das von dem Schuß aus diesem hölzernen Gerät zu Boden gestreckt wird. In ihrem Spielzimmer erscheint die Welt als Modell, auch die "Waffen", weshalb Kinder ohne Skrupel "Peng-peng" spielen, denn sie wissen, das tut niemand weh. Sie können zur Not mit ihrem bloßen zeigefinger in den Krieg ziehen und dort alle Bedrohung, allen Schrecken, allen Schmerz und Triumph, die zu einer Entscheidung auf Leben und Tod dazugehören, auskosten.

Für die begriffsstutzigen Erwachsenen ist die Spielzeugpistole die Keimform der wirklichen und das "Peng-peng" die Vorform des Krieges, weshalb beides möglichst verboten und unterdrückt werden muß. Pazifistische Pädagogen wissen nicht, daß der Symbolismus des spiels die Wirklichkeit eher ausbeutet als vorbereitet, eher testet als nachstellt, eher durchschaut als verkörpert und ihr durch seinen offenen Ausgang an Freiheitsgraden, an möglichen kritischen Wendungen immer überleen bleibt. Kinder setzen Spielzeugwaffen als Symbole der Selbstbehauptung ein, die für sie die mühseligste, an Rückschlägen und Irrwegen reichste und erst spät, wenn überhaupt je, abgeschlossene Leistung ist.

Daß Mädchen sich weniger leidenschaftlich im Spiel schlagen als Jungen, ist bekannt, wobei die These, daß Erziehung dem Nachwuchs des zarten Geschlechts von vorneherein weniger Kampfesmut zutraut und abverlangt, zur Erklärung nicht ausreicht. Auch wenn man sie ermutigt, raufen sie seltener, schhießen weniger mit Hilzgewehren um sich. jedes Geschlecht - und jedes Individuum - setzt im Kampf um Selbstbehauptung diejenigen Mittel ein, von denen es sich ammeisten verspricht. Die rascher entwickelten und deshalb in der Kleinkinderzeit mundfertigeren und verständigeren Mädchen setzen auf die subtileren Methoden des REdens, Schmeichelns und Überlistens, wo gleichaltrige Jungen noch hauen und mit ;Sachen schmeißen müssen. Mädchen springen vomprimitiv-körperlichen schneller in das subtil-mentale Medium der Selbstdarstellung und Konkurrenz. Sie bevorzugen bei ihrem Durchsetzungsparcours andere Wege. Das Prinken mit physischer Schnellkraft und so auch mit deren Pointe, der Waffe, liegt Jungen auch aufgrund ihrer physischen Ausstattung näher als Mädchen. Das heißt abe rnicht, daß sie kämpferischer sind. Es unterstreicht nur ihr (aller Kinder) Gespür für symbolische und repräsentative Valenz einer Sache oder einer Tat.

Barbara Sichtermann: ... denn es tut niemandem weh. Zeit 25.10.91

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