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Das Serien- und Wiederholungsprinzip kommt kindlichen Wahrnehmungs- und Spielgewohnheiten ganz besonders entgegen. Im Grunde sind alle Kinderspiele auch Wiederholungsspiele. Die Wiederholung im Rollenspiel ermöglicht es Kindern, Situationen so lange durchzuleben, bis sie psychisch verarbeitet sind.
Actionsspielzeug wird immer im Medienverbund angeboten. In der Verpackung der Figuren finden die Kinder Hinweise auf Hörcassetten und Comic-Hefte. Erfolgreiche Action-Serien findet man im Vorabendprogramm der privaten Fernsehsender, in Videotheken und Kinos wieder.
Bereits in den 30er Jahren begann der Medienverbund mit dem Siegeszug von Mickymaus und anderen Disney-Figuren. Seit den 70er Jahren ist die gleichzeitige Vermarktung in verschiedensten Medien die Norm.
Die Storys der Filme und Cassetten sind nach dem immer gleichen Schema Gefahr - Angst - Kampf - Sieg aufgebaut. Spannung liegt in der Unsicherheit: Wird He-Man es diesmal wieder schaffen? Das Kind identifiziert sich mit seinen Medienhelden und leidet oder kämpft mit. Die Geschichten im einzelnen sind nebensächlich. Das gleichbleibende Muster erleichtert Kindern den Einstieg auch mitten im Film oder in der Cassette, geübte Kinder kennen sich schon aus: "Ahh, jetzt kommt so komische Musik, jetzt greifen die Bösen gleich an." Bei Hörcassetten sind es manchmal nur ganz bestimmte Passagen, die Kinder immer wieder hören wollen.
Am Ende jeder Geschichte lauert bereits die nächste Bosheit. Fortsetzung folgt.
Marketing-Mix: eine goldrichtige Mischung
"Oh, guck mal, Biene Maja!" ruft Jan und greift nach dem Joghurt. Die Ausstattung verschiedenster Waren mit Phantasiefiguren der Kinderkultur trifft genau den Nerv. In einer Welt voll hektischer Eindrücke bieten die Etikette Orientierungen und Sicherheit. Darüber hinaus wird das Produkt aufgewertet. Erwachsene kaufen Kaffee, der von einem beliebten Fernsehstar angepriesen wird, Kinder suchen den Anschluß an ihre Fenrsehhelden.
Ich habe die Wahl zwischen Pumuckl, He-Man, Alf, Barbie, Muppets. Schulranzen, T-Shirts, Kulis, Süßigkeiten, Radiergummi ohne Abbildung der Lieblingshelden für Kinder muß man mühsam suchen.
Alle Artikel stammen von verschiedenen Firmen. Diese haben bei einer Merchandising-Agentur (Merchandising = engl. für Verkaufspolitik) eine Lizenz erworben, die Figur auf ihren Waren abzubilden.
Als Lizenz-Figuren eignen sich helden, die bei Kindern aus Film und Fernsehen bekannt und beliebt sind. Die Konkurrenz der einzelnen Figuren heizt das Geschäft ordentlich an - Stars wie Pumuckl sind auf über 200 verschiedenen Artikeln zu finden.
Klar, die Kinder wollen ihre Lieblinge möglichst nah bei sich haben. So schleicht sich He-Man auf Gummistiefeln und Pausentasche in den Kindergarten, wo das Mitbringen der Figuren verboten ist.
Die Figur macht die Ware wesentlich attraktiver und steigert ihren Bekanntheitsgrad. So ein Muppet-Joghurt macht eben Appetit - auf die süße Creme und die Fernsehserie.
Mit dem T-Shirt und den Stiefeln kann das Kind in He-Mans Körper schlüpfen. In Italien sah ich He-Man als Dauerlutscher. Merchandising bringt das totale sinnliche Erlebnis für Augen, Ohren, Mund und Haut.
Marketing-Mix ermöglicht auch, die Figur in Produkten unterschiedlicher Preiskategorien zu präsentieren. Aufkleber und Comics kaufen die Kinder vom Taschengeld, die Hörspielcassette zu 7,95 DM ist ein nettes Mitbringsel vom Einkaufsbummel, zur Einschulung darf es sich dann den Schulranzen und das Sweatshirt mit He-Man aussuchen.
Verena Sommerfeld: Krieg und Frieden im Kinderzimmer. Reinbek 1991, S. 110f.