Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Aufgabe und Bedeutung des Spielzeugs für die Erziehung

Die Bedeutung des Spielzeugs ist sehr vielschichtig. Wenn die "Bildungsexperten" dem Spielzeug lange Zeit einen zwingenden Einfluß zuerkannt haben, so scheint es heute, daß es, wie immer es auch beschaffen sein mag, dem Kind die Möglichkeit gibt, alle Aspekte unserer Zivilisation zu erfassen und hierzu selbst Stellung zu beziehen. Niemand kann ihm dieses Erleben abnehmen.

In einer Welt, in der Krieg und Gewalt durch die Massenmedien an uns herangetragen werden, hat das Kriegsspielzeug in ganz natürlicher Weise den Revolver des Cow-boys oder Pfeil und Bogen des Indianers verdrängt.

Professor Debre weist auf folgendes hin:

"Indianer spielen, das bedeutet auch Kriegsspiele, und wie Sie wissen, wünschen die Eltern, daß es niemals mehr Krieg gibt, und sie wollen daher, daß auch ihre Kinder nicht mehr Krieg spielen. Ich muß Ihnen sagen, daß ich durchaus nicht davon überzeugt bin, daß eine solche Einstellung für die Kriege der Erwachsenen überhaupt eine Bedeutung hat; ich bin sogar der Meinung, daß die Entwicklung des Kindes durch diese Art der Aggressivität, die ja nicht bösartig ist, oft gefördert wird. Wenn Kinder nämlich Krieg spielen, führen sie keinen Haß gegen ihren Gegner, und sie wissen durchaus, daß das alles nur ein Spiel ist."

"Wenn sich ein Kind dem Spiel hingibt, so ist desseen Inhalt ohne Bedeutung". Wir wissen sehr wohl, daß Gewalt und Tod beim spielenden Kind nicht dieselbe Bedeutung haben, wie dies in der Erfahrungswelt der Erwachsenen der Fall ist, und wir sollten daher nicht entsetzt sein. Viele Spezialisten räumen ein, daß speilen nichts anderes als ein für die Entwicklung des Kindes unerläßliches Experiment darstellt.

Gewalttätigkeit wird von Erwachsenen, die durch sie stark beeindruckt werden, und von Kindern, die hiervon viel weniger berührt werden, in unterschiedlicher Weise erlebt.

Ein Kind unterscheidet durchaus zwischen dargestellter (oder gespielter) Gewalttätigkeit und tatsächlicher Gewalttätigkeit. Wenn man dem Kind Spielzeug, wie Pistolen, wegnähme, würde das nicht eine erhebliche Frustration bewirken?

"Lassen Sie ihr Kind ruhig mit Spielzeugsoldaten und Pistolen spielen, wenn es danach Verlangen hat. Das kann ihm nicht schaden. Wenn Sie ihm Soldaten oder Pistolen verbieten, so schaffen Sie in seinem Kopf einen Tabubereich. Dieses Spielzeug wirkt dann faszinierend auf das Kind, und es wird sich damit in Ihrer Abwesenheit nur um so mehr befassen." (Dodson)

Auch wenn einige Psychologen (Prof. Debre, Dodson, die in der Arbeitsunterlage zitiert werden) glauben, daß Kinder, die mit Kriegsspielzeug spielen, in psychologischer Beziehung nicht gefährdet sind, so gibt es doch auch andere, die das Gegenteil denken.

Für letztere stellt das "Kriegswaffenspielzeug" eine ernsthafte Gefahr dar, es verleitet zu Gewalt und führt lediglich zur Verachtung des menschlichen Lebens.

Sie glauben ferner, daß für das Kind "Nachahmungsgefahr" besteht, wenn es in der Gewalttätigkeit nach Lösungen für seine Probleme sucht.

Schließlich führt die Gewöhnung der Kinder an die neuen Kriegsspielzeuge dazu, Mord und Gewalt als ein Spiel zu betrachten, und sie werden dadurch abgestumpft für das wahre Grauen der gegenwärtigen Kriegsereignisse.

Die Tatsache, daß die Eltern diese Art von Spielzeug bei ihren Kindern tolerieren oder, noch schlimmer, es ihnen kaufen, stellt in den Augen dieser Psychologen eine Ermutigung dar, nur noch mit diesen Spielzeugwaffen zu spielen.

Europäisches Parlamet: Bericht im Namen des Ausschusses für Jugend, Kultur, Information und Sport über Kriegsspielzeug. Berichterstatterin Marie-Jane Prurot. 14.6.1983, Dokument 1-288/82, S. 7/8

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