Home / Themen / Kriegs- und Gew... / Zur Wirkung von... / Kriegsspielzeug ist eine für die Ausbreitung der Gewaltbereitschaft günstige Bedingung
Niemand wird es bestreiten wollen - und ein blindwütiger Terrorismus hat uns wohl allen hierfür die Augen geöffnet -, daß Gewalt und Brutalisierung eine Gefahr sind, die uns unmittelbar bedroht. Denn der Gewaltverherrlichung und Gewaltausübung auf der einen Seite steht auf der anderen Seite die nicht minder gefährliche Gewöhnung an die Gewalt gegenüber. Eine brutalisierte Sprache schleicht sich oft fast unmerklich in den Alltagswortschatz ein. Die Bemühungen, die Ursachen des Terrorismus zu erforschen, zeigen: Der Terror und die Ausbreitung eines Klimas der Gewalt lassen sich nicht einfach auf eine Ursache zurückführen, nicht monokausal erklären. Das Geflecht der Ursachen und Bedingungen ist schier undurchdringlich. Trotzdem können wir uns hier, das fühlen wir wohl alle, keinen "Konservatismus aus Komplexität", kein unentschlossenes Verharren vor der Ungewißheit leisten.
Wir müssen deswegen auch die nicht von der Hand zu weisende Möglichkeit ernst nehmen, daß das Kriegsspielzeug eine der Ausbreitung der Gewaltbereitschaft günstige Bedingung ist. Ich meine darüber hinaus, daß das Kriegsspielzeug klaren und für uns alle verbindlichen Wertentscheidungen der Verfassung zuwider läuft. Das gilt einmal für die Menschwürde, die das Spiel mit Leben und Tod, den spielerischen Umgang mit Massenvernichtungsmitteln nicht duldet. Und es gilt für den ausschließlichen Verteidigungsauftrag der Bundeswehr, das Vrbot des Angriffskrieges und die daraus fließende wertgebundene verfassungsmäßige Beurteilung der Waffenanwendung. Eine wertfreie, eben spielerische Betrachtung des Krieges und des Waffeneinsatzes, wie sie das Kriegsspielzeug geradezu provoziert, entspricht nicht dem Geist dieser Verfassungsbestimmungen.
Hans-Jochen Vogel, Rede vor der Arbeitsgemeinschaft Spielzeug e.V. am 3.10.78 in Bamberg