Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Rollenklischees

Im Jungenspielzeug werden Männlichkeitsideale durchlebt, die von den spielenden Jungen nachempfunden und durchlebt wrden, denn Jungen sollen zur Identifizierung mit Männerbildern erzogen werden (vgl. H. Erbs 1982, 113f).

Auch Kriegsspielzeug ist demnach Jungenspielzeug, weil es nur Männer sind, die Soldaten werden und gegebenenfalls in den Krieg ziehen. Daher identifizieren sich besonders Jungen mit diesen. Im Spiel mit Kriegsspielzeug werden bestimmte Inhalte des Spielgegenstandes auf den spielenden Jungen übertragen.

"Physische Kraft, Überlegenheit, Potenz, Herrisches, eine gesunde Kampfmoral, strenge Hierarchie und ein weitgehend unbegründetes selbstherliches Überlegenheitsgefühl nicht zuletzt den Mädchen gegenüber - solche und ähnliche Verhaltensmuster werden ausgehend schon von einer bestimmten Beschaffenheit des Spielmaterials - im männlichen Kind gefördert" (K. Slerek 1980, 47).

Kriegsspielzeug vermittelt militärische Tugenden wie Disziplin, haltung, Gehorsam und Härte und verfestigt somit geschlechtsspezifische Rollenzuteilungen. Via Kriegsspielzeug wird unserer Meinung nach ein Bild vom Mann vermittelt und stabilisiert, nach dem die Männer die Handelnden sind und Frauen in die Rolle des passiv erduldenden Objektes fallen.

Stereotype Rollenbilder von Mann und Frau, bei denen die Frau stets eine untergeordnete Rolle spielt, drücken sich auch im Kriegsspielzeug aus.

Bei unserer Fragestellung, welche Auswirkungen das Spiel mit Kriegsspielzeug auf die politische Sozialisation ausübt, gehen wir davon aus, daß es prägend auf geschlechtsspezifische Rollenzuweisungen wirkt.

Elke Hüttemann/Suzanne Mankes: Kriegsspielzeug in der politischen Sozialisation von Kindern. Düsseldorf 1989 (unveröffentl. Diplomarbeit)
Vier Aspekte dieses Alltagsbewußtseins, die sich für die Umwandlung in Rüstungskultur eignen und die für rüstungspolitische Zwecke meines Erachtens besonders instrumentalisierbar sind und auch instrumentalisiert werden, scheinen mir für die Aufdeckung der Rolle des Kriegsspielzeugs besonders wichtig:

Kriegsspielzeug ist ein typisches Jungenspielzeug, und wer Jungen mit Kriegsspielzeug beobachtet hat, weiß, daß es ihnen auch als Symbol von Stärke und Männlichkeit dient und die Aneignung diese Männlichkeitsideale unterstützt. Mit diesen Männlichkeitsidealen einher geht das Eindenken in eine Männlichkeitsrolle, die Männer und militärische Waffen aneinander kettet.

(...)

Es beginnt mit der Gewalterfahrung im Alltag. Diese wird sehr früh bereits wahrgenommen in Feindbildkategorien, die in ihrer Struktur mit den zentralen Mustern öffentlicher Rüstungslegitimation übereinstimmen. Wir und die anderen, wenn einer dich angreift, mußt du dich verteidigen, der Stärkste wird der Sieger sein, die Welt ist geteilt in Freunde und Feinde.

Insoweit Kriegsspielzeug das Agieren in diesen Verarbeitungsmustern von Gewalterfahrung unterstützt, übt es die zentralen Muster öffentlicher Rüstungslegitimation ein.

Hanne Birchenbach: Erziehung gegen Gewalt. Kriegsspielzeug in der aktuellen Diskussion. In: Geschäftsstelle der nationalen Kommission für das internationale Jahr des Kindes (Hrsg.): Erziehung gegen Gewalt. Kriegsspielzeug in der aktuellen Diskussion. Bonn 1979,

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