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Kinder verarbeiten den Umgang mit Gewaltspielzeug anders als viele Erwachsene vermuten.
Aus einem Kinde, das mit Gewaltspielzeug spielt, wird noch lange kein Militarist. Gewaltspielzeug macht Kinder nicht von sich aus gewalttätig, und Kriegsfilme verführen Kinder nicht dazu Kriege zu führen. Solche Annahmen über Ursachen und Wirkungen greifen zu kurz, denn menschliches Verhalten ist bekanntlich überdeterminiert, d. h. von sehr vielen Einflußfaktoren abhängig.
Dennoch, der Umgang mit Kriegs- und Gewaltspielzeug trägt umgekehrt nicht zur Entwicklung einer Friedensfähigkeit bei. Auf drei Bereiche muß besonders geachtet werden:
Umgang mit Aggression und Konflikten:
Wenn Kinder im Spiel Verhaltensweisen ausprobieren und einüben, so ist anzunehmen, daß die nahezu ausschließliche und ständige Beschäftigung mit dieser Art von Spielzeug die aggressiven Verhaltensanteile stärkt. Dies wirkt sich insbesondere langfristig beim Umgang mit Konflikten aus.
Einübung geschlechtsspezifischer Rollen:
Gewaltspielzeug ist in der Regel ein geschlechtsspezifisches Phänomen, denn es sind hauptsächlich Jungen, die damit spielen und männliche Werte, die damit vermittelt werden. Action und Gewaltspielzeug fördert ebenso wie viele Gewaltfilme ein Männlichkeitsideal, das mit Begriffen, wie "kämpferisch", "emotionslos", "rücksichtslos" zu umschreiben ist. Hier werden überkommene Geschlechtsrollenstereotypen vermittelt die in der heutigen Gesellschaft keinen Platz mehr haben.
Vermittlung von Geschichts- und Weltbildern:
Bei Kriegsspielzeug im engeren Sinne handelt es sich oft um die historische Nachbildung inclusiv Szenarien aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg oder von heutigen Kriegsschauplätzen.
Lange bevor Kinder ein wirkliches Geschichtsverständnis entwickeln können oder Sachverhalte differenziert aufgefaßt werden können, wird hier "Pseudo"-Wissen in Form von Bildern vermittelt, das erste Grundlagen für eine Weltsicht legen kann.
Günther Gugel: Augen auf beim Spielzeugkauf. Was Sie über Gewaltspielzeug und Gewalt in Medien wissen sollten. Tübingen 1998, S. 14