Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Eskalations- und deeskalationsorientierte Aspekte der Konfliktberichterstattung

Eskalationsorientierte Aspekte: Kriegspropaganda
Deeskalationsorientierte Aspekte: Friedensjournalismus
   

1. Konzeptualisierung des Konfliktes

 

Unterstützung von Krieg und militärischer Logik

Infragestellung von Krieg und militärischer Logik

Konstruktion des Konfliktes als Konkurrenzprozess

Infragestellung des Konkurrenzcharakters des Konfliktes

Betonung militärischer Werte

Infragestellung von Militarismus und militärischen Werten

Festlegung auf militärische Gewalt als (einzig) angemessenes und/ oder notwendiges Mittel der Konfliktaustragung

Infragestellung von militärischer Gewalt als notwendigem, geeignetem und/ oder effektivem Mittel der Konfliktaustragung

Zurückweisung friedlicher Alternativen

Forderung nach friedlichen Alternativen

2. Evaluation der Rechte und Intentionen der Kriegsparteien

 

Antagonismus

Ausgleich

Leugnung der Rechte des Gegners und Dämonisierung seiner Intentionen

Respektierung der Rechte des Gegners und unverzerrte Darstellung seiner Intentionen

Idealisierung eigener Rechte und Intentionen

Selbstkritische und realistische Beurteilung eigener Rechte und Intentionen

Leugnung gemeinsamer Interessen und/ oder von Kooperationsmöglichkeiten

Kritische Distanz gegenüber beiden Kriegsparteien, Betonung gemeinsamer Interessen und positive Bezugnahme auf die Anti-Kriegsopposition, Ansätze von Friedensbereitschaft und Vermittlungsbemühungen dritter Parteien

3. Evaluation der Handlungen der Kriegsparteien

 

Konfrontation

Kooperation

Herausstellung der eigenen Korrektheit und Rechtfertigung eigener Handlungen

Kritische Beurteilung eigener Handlungen

Verurteilung und Dämonisierung gegnerischer Handlungen

Unvoreingenommene Beurteilung gegnerischer Handlungen

Verwandlung möglicher Empörung über den Krieg in Empörung über den Feind

Rückorientierung der Empörung über den Krieg selbst: Kritik an Handlungsweisen beider Seiten, Darstellung gemeinsamen Leidens in Folge des Krieges sowie des Gemeinsamen Nutzens, der aus der Beendigung des Krieges gezogen werden könnte

4. Emotionale Verwicklung in den Konflikt

 

Destruktive Emotionen

Konstruktive Emotionen

Leugnung der Bedrohung des Gegners

Anerkennung der Bedrohung des Gegners

Siegeszuversicht

Preis des militärischen Sieges

Herausstellen der Bedrohung durch den Gegner

Abbau eigener Bedrohungsgefühle

Schüren von Misstrauen gegenüber dem Gegner, seinen Verbündeten und neutralen Dritten, die zu vermitteln versuchen

Perspektiven der Versöhnung

5. Soziale Verpflichtung und Identifikation

 

Konfrontative soziale Verpflichtung

Kooperative soziale Verpflichtung

Anreize zu sozialer Identifikation mit Opfern auf der eigenen Seite, Abwehr der Identifikation mit Opfern auf der gegnerischen Seite und / oder Herunterspielen des durch den Krieg verursachten Leides auf beiden Seiten

Parteiübergreifende Identifikation mit den Opfern auf beiden Seiten

Anreize zu sozialer Identifikation mit Opfern auf der eigenen Seite, Abwehr der Identifikation mit Opfern auf der gegnerischen Seite und / oder Herunterspielen des durch den Krieg verursachten Leides auf beiden Seiten

Unparteilichkeit gegenüber den Akteuren auf beiden Seiten und / oder Anreize zu sozialer Identifikation mit Akteuren, die sich um eine friedliche Streitbeilegung bemühen

Anreize zur Identifikation mit Akteuren der eigenen Seite, Dehumanisierung der Akteure der Gegenseite und / oder Marginalisierung von Akteuren, die sich um eine friedliche Streitbeilegung bemühen

Unparteilichkeit gegenüber den Eliten auf beiden Seiten und Anreize zu sozialer Identifikation mit Eliten, die sich um eine friedliche Streitbeilegung bemühen

W. Kempf / M. Reimann / H. Luostarinen: Qualitative Inhaltsanalyse von Kriegspropaganda und Kritischem Friedensjournalismus. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 32, 1996.

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