Home / Themen / Lernen mit Neue... / Bildungsserver,... / Welche Darstellungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten Bildungsserver?
Die Möglichkeiten von Bildungsservern entfalten sich vor dem Hintergrund der Veränderungen (auch der Bildungslandschaft) durch die neuen Medien. Friedrich Hagedorn beschreibt diese Veränderungen als "Entgrenzung der Systeme":(8 )
Im Bereich der Information ist nicht mehr der prinzipielle Mangel an Information (oder von Informationszugängen) das Problem, sondern die Orientierung und Beratung.
Räumliche Begrenzungen werden aufgehoben. Örtliche Gebundenheiten verlieren an Bedeutung. Zugleich werden neue virtuelle Räume geschaffen. Das Verhältnis von Nähe und Distanz muß neu definiert werden. Medienorientierte Bildung hat hier Mittlerfunktion zwischen verschiedenen "Räumen".
Die Zeitrhythmen in der Mediengesellschaft werden immer schneller. Geschwindigkeit zählt mehr als Inhalte und Argumente. Dies kollidiert mit der prinzipiellen Erkenntnis, daß Bildung Zeit braucht.
Überkommene Orientierungen und Rollenmuster verschieben sich. Es kommt zu neuen Beziehungen zwischen institutionalisierten und selbstorganisierten Lernformen, zur Herausbildung neuer medialer Lernkulturen.
Meue mediale Kommunikationsformen entwickeln sich. Das Verhältnis von "Öffentlichem und Privaten" verschiebt sich. Bildung muß hier ihren Ort neu finden?
Zwar verschwinden auf der einen Seite mit der Medienkommunikation hierarchische Organisationsmuster ("Im Netz sind alle gleich"), andererseits bilden sich zweifellos neue Machtstrukturen, für die im Netz keine ethischen Bezugssysteme und keine normativen Kontrollen vorhanden zu sein scheinen. Bildung muß sich hier mit der Logik des Marktes auseinandersetzen.
Kommt man von diesen prinzipiellen Betrachtungen auf die Ebene von konkreten Umsetzungsstrategien, so lassen sich im Bereich des Umgangs mit dem Internet fünf prinzipiellen Nutzungsbereiche feststellen:
1. Präsentation/Selbstdarstellung: Hier steht die Darstellung der eigenen Einrichtung im Vordergrund. Angeboten werden Aufgabenbeschreibungen, Selbstdarstellungen, evtl. noch Publikationslisten und Informationen über die MitarbeiterInnen. Präsentationen müssen jedoch hier nicht stehenbleiben, sie können im Schulbereich u.a. auch Projektergebnisse, Schulkonzepte usw. umfassen.
2. Information/Recherche: Das Web wird hier als große Datenbank gesehen und genützt, in die die eigenen Angebote (u.a. Literatur, Medien, Adressen, Erfahrungsberichte) eingespeist werden.
3. Kommunikation: Online-Medien sind per se kommunikativ. Sie bieten von E-Mail bis zu Videokonferenzen vielfältige Möglichkeiten. Doch obwohl immer wieder ins Zentrum der Konzeptionen gerückt, ist gerade der Kommunikationsaspekt bislang bei Bildungsserver am wenigsten realisiert.
4. Projekte, neue didaktische Ansätze: Die Entwicklung von neuen didaktischen Ansätzen und Projekten, die über die Digitalisierung von schriftlichem Material hinausgehen ist die eigentliche pädagogische Herausforderung, die bislang allenfalls in Modellprojekten angegangen wird.(9)
5. Reflexion: Unter medienpädagogischen Gesichtspunkten bekommt die Reflexion über die neuen Medien eine zentrale Bedeutung. Diese Selbstreflexivität muß sich auch im Inhalt und in der Machart von Bildungsservern widerspiegeln. Dabei darf das Verständnis von Medienkompetenz nicht nur die inhaltskritischen Aspekte und Elemente des Bedienens- und Zurechtfindens umfassen, sondern muß auch den Bereich der Hardware einschließen.(10)
Bildungsserver müssen sich mit allen fünf Bereichen auseinandersetzen. Vor allem der letzte kommt jedoch i.d.R. zu kurz.