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Es gehört zur Aufgabe des Fernsehens, in seinen Nachrichten und Berichten auf das Leid und "Elend" in der Welt zu verweisen. Was dies im einzelnen sei, wird ganz unterschiedlich erfahren. Das Medium trägt dieser Informationspflicht in vielfältiger Weise Rechnung und bebildert das physische oder psychische Elend in zahllosen Bildinformationen. "Leid" und "Elend" haben auf dem Bildschirm immer Nachrichtenwert und verdrängen nur zu oft andere Tagesinformationen. Bei den Sendungen über die "Dritte Welt" scheint sich sogar so etwas wie eine "Elendsdramaturgie" herausgebildet zu haben.
positiv: Richtig dosiert, ohne den Hang zur Sensation, haben die Bilder aus den Elendsquartieren dieser Erde ihre Berechtigung. Sie erzählen über Zustände und Verhältnisse, die nach Veränderung drängen. Die Fernsehmacher haben abzuwägen, was schwerer wiegt: die Sensation des Augenblicks im Bild oder der pädagogische Umgang mit Bildern, die auch Zukünftiges (z.B. das Ende eines Krieges) antizipieren sollten.
negativ: Es scheint so, als dominierten im Fernsehen jene Bilder, die das Leiden des Menschen favorisierten. Das gilt zumindest für den non-fiktiven Berichts- und Nachrichtenteil. Auch singuläre Katastrophen und Kriege werden durch diese "Elends"-Dramaturgie im Fernsehen über Gebühr als Mittelpunktgeschehen zentriert und überbewertet. Es entsteht der Eindruck, Leid und Kriege seien unabänderlich oder eben Konstanten im Sinne eines factum brutum.