Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Ethnisches Krisenmodell

Nach dem Zusammenbruch des klassischen Ost-West-Konfliktes haben sich die Interpretationsraster und Erklärungsmodelle für lokale und globale Konflikte deutlich gewandelt - auch im Fernsehalltag. Das alte Freund-Feind-Modell hat ausgedient und wird durch "ethnisch" oder "religiös" fundierte Erklärungsmodelle ersetzt. Der Paradigmenwechsel zeigt die Vorliebe des Mediums für ganz einfache und auf den ersten Blick plausible Erklärungsmuster.

positiv: Dem ethnischen Krisenmodell liegt der Wunsch zugrunde, Konflikte auf möglichst einfache Ursachen zu reduzieren. Die Vereinfachung entspricht dem Medium und seinem Hang zur Simplifizierung. Die Kommentare sprechen immer wieder von Konflikten, die "ethnisch-religiös", "ethnisch-nationalistisch" oder "ethno-ökologisch" begründet seien. Die Normierung ist jedoch in aller Regel problematisch, wenn nicht gar falsch.

negativ: Das ethnische Erklärungsmuster - es hat sich im Fernsehen als Regelmodell etablieren können - verdeckt von den Ursachen der Krisen mehr als es aufdecken kann und hat seine Tradition nicht zuletzt in einer "rassenbiologischen" Weltsicht. Der Kriegsursachenforscher Jens Siegelberg: "Daß sich Konfliktparteien entlang ethnischer oder religiöser Bande formieren, ist nicht der Ausgangspunkt, sondern das Resultat konflikterzeugender sozialer Entwicklungen und Transformationsprozesse."3

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