Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Humanitäre Hilfe

Durch die gleichzeitige Ansprache von Millionen Zuschauern ist das Medium Fernsehen wie kein zweites dazu prädestiniert, die Hilfsbereitschaft der Zuschauer für Menschen in Not anzusprechen. Es gibt viele Beispiele: Erdbeben in Armenien 1988, Hungersnot in Äthiopien 1984, Hilfe für Somalia, Hilfsaktionen für Sarajevo - jedesmal hatte das Fernsehen entscheidenden Anteil an der Organisation und Durchführung von beträchtlichen Zuschauerspenden. Voraussetzung für das Krisenmanagement via Fernsehen ist strukturell gesehen:

  1. Es muß sich um ein singuläres und isoliertes Ereignis handeln.
  2. Bekannte Moderatoren, Politiker und Künstler werden für den Spendenaufruf im Fernsehen verpflichtet.
  3. Fachleute vor Ort bestätigen dem Fernsehpublikum die Notwendigkeit der Hilfe.
  4. Die Hilfe kann nur an Sympathieträger übermittelt werden. Eine Hilferuf des Fernsehens für Serben oder Moslems in Not widerspräche dem derzeitigen Selbstverständnis des Fernsehens.4

positiv: Die durch das Fernsehen angeregte materielle Hilfe ist sinnvoll, auch wenn nur einem kleinen Teil der Notleidenden geholfen werden kann. Die Sendungen sprechen die globale Mitverantwortung der Zuschauer an.

negativ: Die Sondersendungen dienen oft einer Selbstdarstellung des Fernsehens und seiner Mitarbeiter. Der Informationswert der Sendungen ist in aller Regel zweifelhaft. Das Medium "inszeniert" das Gefühl des Mitleids beim Zuschauer, um zu einem passablen Spendenergebnis zu gelangen. Die Hilfe bleibt meist der Abstraktion des Geldes verhaftet, Not kann das Fernsehen lediglich als "Vorstellung" vermitteln.

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