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Männer dominieren das Informationsgeschehen in vielfältiger Weise: Die Auslandsberichterstattung ist eine durch und durch männliche Domäne. Männer berichten über die Krisen in der Welt vor und hinter der Kamera, sie schätzen ein, beurteilen und wägen ab. Kriege werden von Männern veranstaltet, und bestellte Männer von ARD und ZDF berichten für die Heimat über Konflikte in aller Welt. Die Krisenberichterstattung ist vor Ort patriarchalisch verankert und wird nur selten einer Frau überlassen.8 Es ist evident, daß diese geschlechtsspezifische Gravitation die Berichterstattung selbst beeinflußt. Auch das Krisenmanagement von Politik und Militär ist aus dieser Sicht selbstverständlich allein eine Aufgabe von Männern. Krieg und Frieden, Hunger und Vertreibung unterstehen im Fernsehen (abgesehen von wenigen Ausnahmen) der männlichen Einschätzung. Männer definieren die krisengeschüttelte Welt ganz selbstverständlich. Eine Stereotypisierung globaler Konflikte geht damit einher. Das Fernsehen unterstützt damit nonverbal die Nachricht, daß der Krieg (vor allem) Männersache sei. Eine konstruktive Fernsehberichterstattung muß auf dieses Defizit Bezug nehmen, nach Möglichkeit auch Änderungen anbieten. Das Außergewöhnliche einer "Frontberichterstatterin", ihr anderer Blick, ihre andere Einschätzung von Zusammenhängen und Hintergründen, könnte der Fernsehberichterstattung in der Zukunft neue Impulse geben, die im übrigen auf den Gegenstand (Krieg und Krisen) selbst durchschlagen können. Antonia Rados schreibt: "Frauen machen prinzipiell eine andere Kriegsberichterstattung, weil sie weniger zu Soldaten mutieren. Ich kenne genug männliche Reporter, die in Uniform arbeiten. Bei einer Frau wirkt es doch lächerlich, wenn sie im Battledress auftaucht. Der Krieg ist per se ein Männermythos, eine geschlossene Welt. Ich glaube, die Frau ist geschützter, weil sie ein völlig unbekanntes Element im Krieg ist."9 Vergleiche das Stichwort Frauen.
positiv: Wenn scheinbar geschlechtsspezifische "männliche" Merkmale entmythisiert und auch auf soziale und gesellschaftliche Verschränkungen geprüft werden. Krieg wäre dann keine Angelegenheit der gewalttätigen Männer allein, Frieden keine Sache von strickenden oder häkelnden Hausfrauen.
negativ: alle filmischen Chiffren, die die patriarchalische Gesellschaftsordnung als naturgegeben voraussetzt. Krieg und Gewalt lassen sich im ideologischen Konzept einer bellizistischen Männergesellschaft nicht aufbrechen.