Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Mitleid

Das Fernsehen stellt Krieg und Gewalt als Kontinuum des menschlichen Miteinanders in den Mittelpunkt seiner aktuellen Berichterstattung. Dem "Mitgefühl" und "Mitleid", die das Fernsehen im Idealfall auslösen, der vermittelten "Menschlichkeit" , die es hervorrufen kann, sind scheinbar enge Grenzen gesetzt. Denn es darf nicht vergessen werden, daß das im Bildkontext gezeigte Leid oder der Krieg beim Zuschauer als ein "außenstehendes" Ereignis erlebt wird, dem die sinnliche Nähe der unmittelbaren sozialen Erfahrung abgeht.
Caritatives Handeln, vermittelt über das Medium, verlangt die Trans-zendierung des Apparates; er ist paradoxerweise das größte Hindernis beim Umschlag der Information in konkretes Handeln.

positiv: Eine Sendung, die den Zuschauer in dem Sinne "mitleiden" läßt, daß er zur Aktion sich veranlaßt fühlt (Spende, materielle Hilfe, Überprüfung eigener Lebensnormen), wird die Ausnahme sein. Das liegt aber in der Natur des Mediums, das immer Abbilder und Ausschnitte präsentieren kann. Die Fernseh-Show im Dienste einer frierenden und hungernden Stadt im Krieg ist ein ambivalentes Medienereignis. Doch sie lindert unter Umstände konkrete Näte.

negativ: Im Normalfall werden "Mitleid" und Anteilnahme im Fernsehen instrumentalisiert. (Die Illustrierten betreiben das vergleichbare Geschäft mit den Emotionen schon viel länger.) Die Nachricht über die Not ist das Ereignis. Das Ansprechen von Affekten, die unbestimmte Wut und Trauer auslösen können, ist der Normalfall. Das Aufwühlen von kurzzeitiger Empörung ist die Regel, doch die Emotion verflacht zur Folgenlosigkeit. Letztere garantiert den Hunger nach neuer und "schrecklicher" Mediennahrung, die schon in der nächsten Reportage befriedigt werden kann.

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