Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Begründungen für gewaltfreies Handeln

Die Begründungen für die Akzeptanz und Anwendung von Gewaltfreiheit liegen auf mehreren Ebenen:
Moralisch/Ethische Ebene: Die Verantwortung für das Leben auf unserer Erde erfordert Leben zu bewahren und ein menschenwürdiges Leben für alle zu ermöglichen. Dies kann nur geschehen, wenn in Erfurcht und mit respektvoller Rücksicht Leben weder bedroht noch zuerstört wird. Der Kampf gegen Ungerechtigkeit muß mit Mitteln geführt werden, die nicht neues Unrecht produzieren.
Politische Ebene: Grundlegend ist die Erkenntnis, daß in unserer Zeit und in unserer Gesellschaft mit Gewalt oder mit der Androhung von Gewalt keine Konflikte wirklich gelöst werden können, keine Ungerechtigkeiten beseitig und keine Unterdrückung aufgehoben werden können. Im Gegenteil es werden neue Verletzungen und Ungerechtigkeiten geschaffen, die eine Eskalation des Konfliktes bewirken.
Pragmatische Ebene: Bei Auseinandersetzungen mit dem Staatsapparat verfügt dieser über das größere und wirksameren Gewaltpotential. Bei Zwischenmenschlichen Konflikten hebt eine körperliche Auseinandersetzung die Distanz zwischen Personen auf und trägt zu einer unkontrollierbaren Eskalation bei. Die Lösung muß deshalb auf einer sprachlichen Ebene, nicht auf einer körperlichen gesucht werden.

Wie man Gewaltfreiheit beschreiben könnte ...

Mahatma Gandhi: Festhalten an der Wahrheit
"Die Grundbedeutung von Gewaltfreiheit ist Festhalten an der Wahrheit, Kraft der Wahrheit. Ich habe sie auch Liebes- oder Seelenkraft genannt. Bei der Anwendung von Gewaltfreiheit entdeckte ich schon sehr früh, daß die Wahrheitssuche es nicht erlaubt, dem Gegner Gewalt anzutun. Er muß vielmehr durch Geduld und Mitgefühl von seinem Irrtum abgebracht werden. Was aber dem einen als Wahrheit erscheint, mag dem anderen als Irrtum erscheinen. Geduld aber bedeutet Selbstleiden. Von da an bedeutete die Lehre von der Gewaltfreiheit, daß man die Wahrheit verteidigt, indem man nicht dem Gegner, sondern sich selbst Leiden zufügt.
M.K. Gandhi: Satyagraha. Navajivan Press, Ahmedaba 14, 1991, S. 6f.

Lanza del Vasto: Gewaltfreiheit zielt auf das Gewissen
"Woran erkennt man den Gewaltlosen? Daran, daß er liebenswürdig und sanft ist? Nein! An seiner Geduld und an seiner unerschütterlichen Ruhe? Nein, denn um gewaltlos zu sein, genügt es nicht, keine Gewalt zu üben. Gewaltlos ist, wer es auf das Gewissen absieht. (...) Man dienst seinem Gegner, man ehrt ihn und rettet ihn, indem man gegen ihn kämpft. Und dieser Kampf wird durchgefochten bis zu seinem Ende. Das Ende ist aber nicht Sieg und Beute, sondern Versöhnung und Friede."
Lanza del Vasto: Definition der Gewaltlosigkeit. In: SChmelzer: Die Arche. Waldkirch 1977, S. 59.

Wolfgang Sternstein: Ohne Feindesliebe keine Gewaltfreiheit
"Gewaltfreiheit ist etwas anderes als Verzicht auf physische Gewaltanwendung. Ich kann einem Menschen mit haßerfülltem Herzen begegenen, ohne ihm ein Haar zu krümmen, aber gerade dann tue ich ihm Gewalt an! Mit dem Begriff Gewaltfreiheit wird mancher EtikettenSchwindel betreiben. Wer auf physische Gewaltanwendung gegenüber Menschen verzichtet, handelt noch lange nicht gewaltfrei. Das entscheidende Motiv der gewaltfreien Aktion ist die Nächstenliebe oder Feindesliebe. Ohne Feindesliebe kann es überhaupt keine gewaltfreie Aktion geben, die diesen Namen verdient."
Wolfgang Sternstein: Von Wyhl nach Brockdorf. O.O., o..J. S. 15

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