Institut für Friedenspädagogik Tübingen e.V.

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Gewaltfreiheit als Lebensprinzip

Gewaltfreiheit wurde und wird von vielen Akteuren als eine Art zu Leben gesehen. Als ein Prinzip, das mit "alternativem Lebensstil" nicht deutlich genug beschrieben ist. Denn es geht nicht nur darum "Seins-orientiert" zu leben und die wahren Quellen des Lebens neu zu entdecken und sich damit oft genug in Widerspruch zu bestehenden Wertordnungen und Verhaltensweisen zu bringen. Es geht auch darum diese Art zu leben als Konsequenz aus den bestehendena ls ungerecht empfundenen gesellschaftlichen Verhältnissen zu sehen und als Beginn eines gelebten Gegenentwurfes zu begreifen. Dabei spielt die Verzahnung von Persönlichem und Politischem eine wichtige Rolle. Denn es geht nicht um einen Rückzug aus der Gesellschaft, um die Schaffung einer eigenen Insel, sondern um ein Hineinwirken in bestehende Strukturen und Entscheidungen.
Das eigene Denken und Handeln wird also an Werten orientiert die (noch) nicht allgemein akzeptiert werden. Dieser Lebensstil versteht nicht individualistisch (oder gar egoistisch) sondern auf Gemeinschaft hin angelegt. Er will herausfordern, zum Nachdenken anregen, provozieren und wünschenwertes bereits vorwegnehmen. Ein solcher Lebensstil vollzieht sich in der Verantwortung vor dem eigenen Gewissen, den Mitmenschen, der Umwelt und hat eine mögliche besser Gegenwart und Zukunft zum Ziel. Er schließt deshalb politische Verantwortung und Einmischung bewußt ein.
Dies alles schlägt sich sowohl im Konsumverhalten, im Umgang mit Energie, Rohstoffen, Nahrungsmittel ebenso nieder, wie in den Bereichen nachbarschaftlichen Handelns. Sensibilität und Solidarität sind hier keine Schlagworte mehr.
Ein solches Verständnis wurde immer wieder in verschiedenen Lebensgemeinschaften oder Projekten realisiert. Es bleibt jedoch für alle eine Anfrage an Bestehendes und Herausforderung Änderungen zu wagen.
Dabei darf nicht die Gefahr übersehen werden, daß gerade in der heutigen Zeit solche Ansätze als Avantgardistische Modeerscheinungen (in Teilbereichen wie z.B. der Kleidung oder ihrer Symbolik) vermarktet werden oder aber auf der anderen Seite, daß sich "Alternative" in Selbstbenügsamkeit und Selbstzufriedenheit abkapseln und zurückziehen.
Gewaltfreiheit als Lebensstil beginnt mit einem Umdenken an konkreten Punkten des Alltagsverhaltens (ohne dabei dogmatisch zu werden) und entwickelt sich langsam zu einem ganzheitlichen Lebensstil, der immer wieder neu erkämpft werden muß.
Einem solchen Bemühen kommt heute zugute, daß sich langsam die Einsicht durchsetzt, daß das Überleben der Menschheit und ein einigermaßen gutes Leben aller nur durch grundlegende Änderungen im Umgang mit der Natur, den Rohstoffen, der Pflanzen und Tierwelt möglich ist. Diese Veränderungen werden mit dem Begriffen "zukunftsfähig" (substainable), neue Wohlstandsmodelle usw. umschrieben, sind in ihrer Radikalität und Tiefe, jedoch (noch?) nicht mit den von gewaltfeien Akteuren formulierten, diskutierten und praktizierten Modellen vergleichbar.

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