Home / Themen / Zivilcourage / Personen / Martin Luther King (1928 - 1968)
Martin Luther King, der die Auswirkungen der Rassentrennung schon früh am eigenen Leibe spürte, genoß eine ungewöhnlich gute Schulbildung. Er besuchte die High School in Atlanta und dann das More-house College. Wegen seines guten Abschlusses erhielt er ein Stipendium und ging nach Boston, um zu promovieren. Bereits mit 18 Jahren wurde er zum Hilfsprediger geweiht. 1954 erhielt er eine Stelle als Gemeindepfarrer an der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery. Als 1955 dort der Busboykott der schwarzen Bevölkerung begann, war er noch ein unbekannter junger Pastor. Nach den drei Jahren des Busboykotts gehörte er zu den bekanntesten Personen in Amerika und war zu einer Symbolfigur und zum Führer im Kampf um Gleichberechtigung geworden.
King war Botschafter, Propagandist und Organisator zugleich. Das Vertrauen auf Gewaltlosigkeit und die Ausarbeitung einer "Lehre der Gewaltlosigkeit" hat sich bei King erst allmählich entwickelt. H.D. Thoreau und M. Gandhi haben ihn dabei stark beeinflußt.
King war ein Praktiker der Gewaltfreiheit, der immer wieder neue Aktionsformen fand und anwendete. Seine gewaltfreien Märsche, Busfahrten oder sit-ins waren eine permanente Provokation. 1964 erhielt er für seine Arbeit den Friedensnobelpreis.
Neben den Aktionen organisierte er eine systematische Bildungsarbeit für die schwarze Bevölkerung und kümmerte sich um deren Wahlregistrierung. Das Engagement Kings und seine Kritik weiteten sich über die Fragen der Rassentrennung hinaus aus. Er wurde zu einem der schärfsten Kritiker der Regierungspolitik, wandte sich gegen den Krieg in Vietnam und propagierte die Kriegsdienstverweigerung.
Für sein Engagement saß er mehrere Male im Gefängnis, wurde bedroht und starb 1968 durch die Kugel eines Mörders.
Ich habe einen Traum
"(...) Wir müssen unseren Kampf stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin führen. Wir dürfen unseren schöpferischen Protest nicht zu physischer Gewalt herabsinken lassen. Immer wieder müssen wir uns zu jener majestätischen Höhe erheben, auf der wir physischer Gewalt mit der Kraft der Seele entgegentreten. Der wunderbare, neue kämpferische Geist, der die Gemeinschaft der Neger erfaßt, darf uns nicht verleiten, allen Weißen zu mißtrauen. Denn viele unserer weißen Brüder - und das beweist ihre Anwesenheit heute - sind zu der Einsicht gekommen, daß ihre Zukunft mit der unseren untrennbar verbunden ist. Sie sind zu der Einsicht gekommen, daß ihre Freiheit von unserer Freiheit nicht zu lösen ist. Wir können nicht allein marschieren. Und wenn wir marschieren, müssen wir uns verpflichten, stets weiter zu marschieren. Wir können nicht umkehren. (...)
Ihr seid die Veteranen schöpferischen Leidens. Macht weiter und vertraut darauf, daß unverdientes Leiden erlösende Qualität hat. Geht zurück nach Mississippi, geht zurück nach Georgia, geht zurück nach Louisiana, geht zurück in die Slums und Ghettos der Großstädte im Norden in dem Wissen, daß die jetzige Situation geändert werden kann und wird. Laßt uns nicht Gefallen finden am Tal der Verzweiflung.
Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Es ist ein Traum, der tief verwurzelt ist im amerikanischen Traum. Ich habe einen Traum, daß eines Tages diese Nation sich erheben wird und der wahren Bedeutung ihres Credos gemäß leben wird: ›Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: daß alle Menschen gleich erschaffen sind.‹ Ich habe einen Traum, daß eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können. (...)
Ich habe einen Traum, daß meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum ... Ich habe einen Traum, daß eines Tages in Alabama, mit seinen bösartigen Rassisten, mit einem Gouverneur, von dessen Lippen Worte wie ›Intervention‹ und ›Annullierung der Rassenintegration‹ triefen, daß eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüder und Schwestern. Ich habe heute einen Traum ... Ich habe einen Traum, daß eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauhen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. (...)"
Rede M. L. Kings am 28.8.1963 vor 250.000 Menschen vor dem Capitol in Washington, Auszug. In: Frederik Hetmann: Martin Luther King. Hamburg 1979, S. 91 ff.
Günther Gugel: Wir werden nicht weichen. Erfahrungen mit Gewaltfreiheit. Eine praxisorientierte Einführung. Tübingen 1996.